Wahlkreis Waldshut

Harald Ebi will sich für ein wettbewerbsfähiges Land einsetzen

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mo, 22. Februar 2021 um 17:30 Uhr

Kreis Waldshut

Als Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb möchte Harald Ebi nun auch im Landtag "die Ärmel hochkrempeln". Ein Schulsystem wie früher und eine Hochschule im Landkreis Waldshut wünscht er sich.

"Vielbeschäftigt" beschreibt Harald Ebis Lebensstil am besten. Seit 30 Jahren ist der Dachdeckermeister und Betriebswirt aus Waldshut-Tiengen selbstständig. In seiner Freizeit sitzt der 61-Jährige für die FDP als Kreis- und Stadtrat in diesen Gremien. "Es ist anstrengend, alles unter einen Hut zu bekommen", sagt Ebi und fügt hinzu: "Ich sehe die Politik aber gar nicht so stressig, für mich ist das mehr ein Hobby."

Video: Harald Ebi im BZ-Fragenwirbel

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Der FDP trat der 61-Jährige 2003 bei. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Kreisverbands. In der Partei fühlt er sich nach fast zwei Jahrzehnten noch immer wohl: "Ich vertrete die liberalen Werte." Dass es für Orts- und Kreisverbände der FDP schwer sei, Mehrheiten zu finden, liege auch an der Bundespartei. "Wenn Herr Lindner wiedermal eine markante Äußerung loslässt, hat das Auswirkungen bis zu uns", sagt Ebi. Als Vertreter der FDP in Waldshut-Tiengen werde er darauf sogar auf der Straße angesprochen. "Ich stehe trotzdem hinter der FDP."

Wirtschaft und Bildung

"Unser früheres Schulsystem fand ich gar nicht schlecht", sagt Ebi. Deshalb wünsche er sich die Schulempfehlung in der vierten Klasse zurück. Er selbst habe zuerst die Hauptschule besucht und es dann bis zum Betriebswirt gebracht. "Mittlerweile gehen viel zu viele aufs Gymnasium und meinen, sie müssen anschließend irgendetwas studieren." Ebi betont, dass das Land mehr Fachkräfte brauche.

Baden-Württembergs wirtschaftliche Situation sei vom Verbrennungsmotor abhängig. Deshalb könne die Technik nicht von heute auf morgen eingestampft werden. "Durch Elektroautos gibt es aber auch eine Perspektive", sagt Ebi. "Man muss umdenken und umstrukturieren." Betroffenen Unternehmen empfehle er, nach neuen Sparten Ausschau zu halten. "Ich denke, dass der Markt das regelt."

Klimaschutz und Verkehr

"Batteriebetriebene Fahrzeuge sind auch nicht so ökologisch", sagt Ebi. Daher nehme die Schweiz für ihn Vorbildcharakter ein. Im südlichen Nachbarland sei ein großer Teil des Verkehrs auf die Schienen verlegt worden. Gerade in Ballungszentren wie Stuttgart würde Ebi in den öffentlichen Nahverkehr investieren. Doch wie sieht es mit Bus und Bahn in ländlichen Regionen aus? "In nächster Zukunft ist das nicht möglich", sagt Ebi.  Busse müssten in einer höheren Taktung fahren und das würde seiner Meinung nach nicht funktionieren.

"Wenn autonomes Fahren machbar wäre, würde die Welt schon ganz anders aussehen", glaubt Ebi. Mit dieser Technik könne auch der Nahverkehr die abgelegenen Dörfer erreichen. Ohne vernünftige Internetverbindungen sei das aber nicht umsetzbar.

Digitalisierung

"Die Digitalisierung geht sehr schleppend voran", sagt Ebi. Beim Wahlkampf im Rahmen der Landtagswahl 2016 habe er bereits schnelleres Internet gefordert. "Jetzt sind fünf Jahre vergangen und es ist nicht viel passiert." Das liege unter anderem an zu viel Bürokratie. "Druck machen, Ärmel hochkrempeln", lautet die Antwort des Dachdeckermeisters darauf.

"Die Fernbedienung von ihrem Fernseher strahlt mehr ab als dieses 5G." Harald Ebi
"Ich bin überzeugt, wir brauchen 5G", sagt Ebi. Nur so seien beispielsweise Telemedizin und autonomes Fahren möglich. "Es gibt noch so viele weiße Löcher, in denen nicht einmal 3G funktioniert." Politisch würde sich der 61-Jährige daher für den Aufbau weiterer Sendemasten einsetzen. "Die Fernbedienung von ihrem Fernseher strahlt mehr ab als dieses 5G", richtet sich Ebi an Wähler, die gesundheitliche Schäden aufgrund der Sendemasten befürchten.

"Einige Arbeitsplätze werden durch die Digitalisierung verloren gehen, aber andere Branchen entstehen und schaffen wieder Arbeitsplätze", sagt Ebi. "Wir müssen in die Zukunft schauen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen." Von der fortschreitenden Digitalisierung würden auch die Schulen profitieren. Der Landesregierung stellt Ebi für ihre Leistungen rund um das Homeschooling ein "ausreichend bis ungenügend" aus. "Das Traurige ist, dass wir schon im ersten Lockdown gesehen haben, dass das nicht funktioniert", ärgert sich Ebi. "Ich hätte keine Sommerferien gemacht, sondern mich hingesetzt und das analysiert."

Landwirtschaft

"Die Landwirtschaft ist aufgrund des Naturschutzes ein schwieriges Feld geworden", sagt Ebi. "Ich kann verstehen, dass die Bauern am Schimpfen sind." Dennoch müsse die Branche ihre Arbeit verändern. Mehr Bioqualität und andere Pflanzenschutzmittel schlägt Ebi vor. Von den Konsumenten wünscht er sich hingegen eine größere Nachfrage nach Produkten aus der Region.

Wahlkreis

"Mein Hauptaugenmerk liegt auf dem Erhalt unserer Wirtschaftskraft", sagt Ebi. Das sei nur mit dem entsprechenden Nachwuchs möglich. Um jüngere Bürgerinnen und Bürger in der Region halten zu können, möchte Ebi einen Hochschule im Landkreis einrichten. Im Gespräch befindet er sich dafür mit der Kalaidos Fachhochschule in Zürich, die bereit wäre, einen Standort in Waldshut einzurichten.

Die medizinische Versorgung beschäftigt den Kreisrat ebenfalls. "Es war ein furchtbares Politikum, dass wir das Krankenhaus in Bad Säckingen geschlossen haben", sagt Ebi. "Ein Krankenhaus muss nicht wirtschaftlich sein, in diesem Umfang kann man aber keine roten Zahlen schreiben." Zehn Millionen Euro seien es zuletzt gewesen. Prognosen hätten noch schlechtere Ergebnisse vorausgesagt. Auch wenn ihn die Schließung geschmerzt habe, begrüße Ebi die Zentralklinik in Albbruck.