Hockey

HC Lahr: Die Sportplatzfrage ist überlebenswichtig

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

So, 17. Mai 2020 um 23:06 Uhr

Hockey

Seit 100 Jahren wird in Lahr Hockey gespielt, seither gab es Höhen und Tiefen. Die Corona-Krise stellt den HC Lahr nun vor besonders große Herausforderungen

LAHR. Der HC Lahr gehört zu jenen Vereinen, die ihr finanzielles Fundament mit Hilfe eigener Veranstaltungen erstellen müssen. Im Fall der Lahrer Hockeycracks spielt das traditionsreiche Pfingsthockeyturnier, das in diesem Jahr wegen der Corona-Krise nicht stattfinden kann, eigentlich die zentrale Rolle. Dessen ungeachtet herrscht noch keine Klarheit darüber, wann der kleine Ball im Spielbetrieb wieder rollt. Training in Kleingruppen ist – nicht nur im Hockey – wieder möglich.

Das Pfingstturnier
Ebenso wie viele andere Veranstaltungen kann auch das Lahrer Pfingst-Hockeyturnier, das in den letzten Jahren vor allem als spaßbetontes Angebot gepunktet hat, in diesem Jahr nicht ausgetragen werden. Es wäre dessen 70. Auflage gewesen. Diese Absage ist die erste in dessen langer Geschichte. Als "überlebenswichtig " bezeichnete Jochen Bornemann, einer von drei Vorsitzendens des HCL, dieses Event. Die Nettoeinnahmen an Pfingsten beziffert er auf einen "fünfstelligen Betrag". Um diesen Höhepunkt im Vereinsleben nicht einfach nur ausfallen zu lassen, möchte der HCL stattdessen Mitte September ein Vorbereitungsturnier für die Feldsaison und im Herbst zwei Hallenturniere auf die Beine stellen – eines für Erwachsene und eines für Jugendliche. Die Hockeyspieler haben sich dies zum Ziel gesetzt, wohlwissend, dass sie in ihren Planungen abhängig von dem weiteren Verlauf der Corona-Krise sind.

Der Spielbetrieb
Die aktuelle Feldsaison, die bei den Männern im vergangenen September begann und durch die Hallenrunde unterbrochen wurde, ist bis 31. Juli ausgesetzt. Deren Fortsetzung ist offen, Bornemann sagt: "Sehr wahrscheinlich wird es keine Feldsaison 2020 geben." In der 1. Verbandsliga findet sich das Männerteam des HCL eigentlich in einer stabilen Lage: auf Platz drei mit zehn Punkten aus sechs von eigentlich 14 Partien. Ein Lahrer Frauenteam ist in der aktuellen Freiluftsaison nicht gemeldet. Im Jugendbereich kann frühestens nach den Sommerferien wieder gespielt werden. In den Gesprächen bei den Landesverbänden werden Szenarien entwickelt, wie es im Hockey weitergehen könnte. Dabei werden zwei Hauptvarianten erwogen: Die unterbrochene Saison wird in der Feldsaison 2020/21 unter Mitnahme der Punkte und Tore fortgesetzt. Oder: Die Saison 2019/20 wird, ohne Auf- und Abstieg, endgültig beendet. "Es bleibt die Hoffnung, dass wir wenigstens die Hallensaison wieder normal bestreiten können", sagt Bornemann. In den Hockey-Bundesligen gibt es eigene Überlegungen. Bei einer Umfrage unter den 64 Bundesliga-Teams sprachen sich knappe Mehrheiten von 58 Prozent (1. Liga) und 55 Prozent (2. Liga) gegen eine Annullierung der Feldrunde aus.

Der Kampf um den Nachwuchs
"Wir sind kein Erwachsenenverein, sondern ein Jugendverein", lautet Bornemanns Beschreibung des HCL. Konsequenterweise werden große Anstrengungen unternommen, die zu einer gewisse Professionalisierung des Trainings beim Nachwuchs führen. Verkörpert wird dies durch den Jugendtrainer Christian Stengler, den ehemaligen Nationalspieler, der längst wieder zu seinen Wurzeln nach Lahr zurückgekehrt ist. Intensiv wirbt der Club in Schulen um frisches Blut. Bornemann ist unermüdlich in Lahr und Umgebung unterwegs. "Ich habe mit Sicherheit in den letzten zwei Jahren zwischen 500 und 1 000 Kinder betreut", erzählt er. Doch die positiven Impulse für die eigenen Nachwuchsteams fallen geringer aus als erwünscht. "Die Schule unterstützen mich, die Kinder sind begeistert, doch dann kommt am Ende doch kaum einer ins Training, weil andere Dinge Vorrang haben. Die Jugendlichen haben zu viele Angebote, sie sind nicht bereit, sich auf eine Sache zu konzentrieren", bedauert der HCL-Vorsitzende.

100 Jahre Hockey in Lahr
Der HC Lahr wurde am 30. März 1950 gegründet, weswegen er in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag begehen darf. Eigentlich gilt es aber, in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern. Seit 100 Jahren wird in Lahr Hockey gespielt. Beim Lahrer FV, der mittlerweile im SC Lahr aufgegangen ist, gab es von 1920 bis 1939 eine eigene Hockeyabteilung. Englische Offiziere und Rudolf Strasser, der Pionier des deutschen Hockeysports, der am Gymnasium in der Stadt Mathematik unterrichtete, hatten dafür die Grundlage gelegt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dann der Hockeyclub gegründet – mit den neuen Clubfarben Orange und Schwarz. "In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen", stellt Bornemann fest. Er sorgt sich mit Blick auf die aktuelle Pandemie grundsätzlich um die Zukunft von Vereinen, denn denen weist er eine wichtige Funktion zu. "Sie sind als sozialer Treffpunkt von großer Bedeutung. Wir brauchen Vereine, wir brauchen eine stabile Gesellschaft." Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, habe recht, so Bornemann, wenn er den "Verein als soziale Tankstelle", beschreibe. "Ich fürchte, Vereine werden zur situative Bespaßung genutzt und nicht mehr als grundsätzliche Einheit betrachtet."

Der Neuanfang im Training
Eigentlich hätte das Feldtraining beim HCL um den 15. März herum beginnen sollen. Seit dem vergangenen Montag gelten weitere Lockerungen der Corona-Verordnung in Baden-Württemberg. Breiten- und Leistungssport sind im Freien und unter strengen Infektionsschutzvorgaben möglich. Das Lahrer Männerhockeyteam hat am vergangenen Donnerstag die erste Chance genutzt, in Kleingruppen zu trainieren. In der kommenden Wochen sollen erste Jugendteams folgen. "Fast zwei Monaten lang saßen alle Hockeyspieler und -spielerinnen auf dem Trockenen. Wir müssen befürchten, dass wir jüngere Spieler verlieren. Wir waren gerade dabei, die jüngeren Jahrgänge neu aufzubauen", so Bornemann. "Der Stillstand, begleitet von Schulabschlüssen, kann dazu führen, dass sich junge Menschen sportlich neu orientieren oder einfach wegbrechen." Gerade die Fluktuationsrate bei der männlichen Jugend A und B sei sehr hoch. Bornemann macht sich keine Illusionen: "Kleingruppentraining ist besser als Nichts. Aber viel ist da nicht möglich, rudimentäres Techniktraining ist für die Kinder doch total langweilig. Man könnte Spielformen anbieten, aber das macht auch nur im Wettbewerb Spaß." Zunächst trainieren die Jugend-B-Teams, während sich die Jüngeren noch weiter in Geduld üben sollen.

Die Sportplatzfrage
Bevor die Pandemie kam, stand die überlebenswichtige Sportplatzfrage beim HCL ganz oben auf der Agenda. Der alte Kunstrasen im Sportzentrum am Unteren Dammen hat ganz offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich und muss bald ersetzt werden. Das neue Sportplatzkonzept der Stadt Lahr entwarf zwei künftige Varianten für den Hockeyclub. Eine sieht den Bau eines neuen Kunstrasens am ehemaligen Standort, dem "kleinen Exe" vor. Eine andere beschreibt den Umzug des HCL auf die Klostermatte. In einer Vereinsversammlung sprach sich eine Mehrheit für die zweite Möglichkeit aus. Doch Hockeyspieler und Sportler anderer Vereine haben jetzt ganz andere Sorgen. Niemand weiß, wann die Pandemie besiegt ist. Niemand ist in der Lage vorherzusagen, wie es dann um die Finanzen der Kommune bestellt ist. Was das für das den HCL und den Bau des neuen Sportplatzes bedeutet, wollen sich Bornemann und seine Mitstreiter beim Hockeyclub lieber nicht vorstellen.