Hockey

HC Lahr setzt ein wichtiges Zeichen

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Do, 15. Oktober 2020 um 22:57 Uhr

Hockey

Der HC Lahr kämpft auf vielen Feldern: um die sportliche Stabilität und die Zukunft des Hockeysm

. Ohne jeden Zweifel ist diese Feldhockey-Saison ganz außergewöhnlich. Im September 2019 wurden die ersten Spiele in der 1. Verbandsliga ausgetragen, da war die Pandemie noch weit weg. Dann folgte die Pause. In den vergangenen Wochen setzte der HC Lahr mit drei weiteren Partien die Runde fort, welche für ihn, wenn alles gut geht, mit fünf Punktspielen zwischen Mai und Juli 2021 planmäßig ihren Abschluss finden soll.

Ungeachtet dieser Umstände verteidigt das Lahrer Männerteam intensiv seinen Platz in dieser Spielklasse. Wobei der Herbst 2020 zunächst trübe Aussichten zu offerieren schien: Denn in den Heimspiele gegen den HC Ludwigsburg III (3:5) und den TSV Ludwigsburg (2:3) – zwei Mannschaften, die zuvor als besiegbar galten – gab es keine Punkte für die Orange-Schwarzen. Die Sorge, das Team könnte in den Abstiegsstrudel geraten, wuchs bei Jochen Bornemann, dem Trainer des Männerteams. Doch dann zeigte das Team Charakter und brachte dem Tabellenführer TSV Mannheim III am Sonntag auf dem heimischen Kunstrasen eine 2:3-Niederlage bei.

Nach einem verzagten Beginn und dem daraus resultierenden 0:2-Rückstand kämpften sich die Lahrer in die Partie gegen einen technisch versierten und abgebrühten Gegner. "Im letzten Viertel haben wir eine hohe Laufbereitschaft gezeigt, das wurde mir auch von den Mannheimern bestätigt," sagte Bornemann. Der Auftritt stimmt ihn auch deshalb positiv, weil die Mannschaft nach unterschiedlich begründeten Absagen einiger Akteure zunächst nicht spielfähig schien. Erst mit viel Überzeugungsarbeit bekam der HCL dann 13 Mann zusammen. Dass dieses Ensemble am Ende noch einen Erfolg erstritt, führt der Coach auch auf das intensive Konditionstraining der vergangenen Wochen und die gute Trainingsbeteiligung zurück. Nach dem leidenschaftlich erstrittenen 3:2 gegen den TSV Mannheim III stellte der Übungsleiter fest: "Moralisch gesehen, war das einer der wichtigsten Sieg in letzter Zeit. Ein Zeichen gegen die Abwärtsbewegung."

Die Korrektur eines sportlichen Fauxpas

Der Trainer hatte dabei auch die vergangene Hallenrunde im Sinn, an deren Ende der HCL den bitteren Gang in die 2. Verbandsliga antreten musste. Nun also blicken Bornemann und das neu formierte Team etwas optimistischer der zukünftigen Entwicklung entgegen.

Die Bedingungen für leistungsorientiertes Hockey seien in Lahr nicht einfach, gibt Bornemann, der nicht nur Coach, sondern auch Sport-Vorsitzender ist, zu bedenken. "Wir haben das schwere Los, dass Spieler aus beruflichen und familiären Gründen den Verein verlassen und im Gegenzug eigentlich kaum auswärtige Spieler kommen."

So kämpft der HCL jedes Jahr aufs Neue darum, eine Mannschaft zu stellen, die in der Lage ist, in Halle und Feld mindestens in der 1. Verbandsliga zu bestehen. Das fordert großen Einsatz und nagt durchaus an dem ehrgeizigen und emotionalen Coach. Bornemann hat auch die Gesamtentwicklung des 1949 gegründeten Vereins im Auge. Mit dem Vorstandsteam arbeitet er daran, die Mitgliederzahl zu steigern. Zudem hofft er auf eine gute Lösung in der Platzfrage, denn daran, so Bornemann, "hängt die Zukunft des Hockey in Lahr." Er selbst favorisiert jenes Modell, nach dem der HCL an seinen alten Platz unterhalb der Tierklinik zurückkehrt, wo ein moderner Kunstrasen gebaut werden und eine neue Heimat entstehen soll. Doch dies hängt von politischen Entscheidungen ab.

Vorerst soll der HCL am derzeitigen Standort, so Bornemann, jene Fluchtlichtanlage erhalten, die er so dringend benötigt. Dies gilt besonders jetzt, da die Pandemie den Sport in der Halle in Frage stellt und deshalb das Training auch bei kühleren Temperaturen künftig unter freiem Himmel stattfinden soll. Bornemann sagt, die Stadt Lahr habe die Zusage erteilt, dass diese Anlage im Februar oder März gebaut werde und zeigt sich zuversichtlich: "Die Stadt unterstützt uns sehr gut, auch in Sachen Platzanlage bleibt sie am Ball, der Austausch ist ausgezeichnet, dafür bin ich sehr dankbar."

Offen ist, ob die Lahrer in die Lage versetzt werden, einen Fauxpas zu korrigieren. Mitte November soll eigentlich die Hallenrunde in der 2. Verbandsliga beginnen, die der HCL schnellstmöglich wieder hinter sich lassen will. "Dass gespielt wird, ist nicht sicher", so der Coach. Die Chancen beziffert er auf "50:50."