Hebelgedichte sorgen für große Augen

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

Fr, 25. Oktober 2019

Rheinfelden

BZ-SERIE SCHULNAMEN: Die Schüler der Hebelschule Nollingen waren schon im Museum des Dichters in Hausen im Wiesental .

RHEINFELDEN. Sie tragen Namen großer Dichter, berühmter Wissenschaftler, von Heiligen und Adligen, von Bergen, Bäumen und gar heidnischen Relikten – in einer Serie beleuchtet die BZ die Namen von Schulen in Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt, welche Rolle die Namenspatrone im Schulalltag spielen und was Schüler, Lehrer und Schulleiter über sie wissen, heute: Hebelschule in Nollingen.

Johann Peter Hebel muss man in unserer Region nicht erklären: 33 Schulen sind in Baden-Württemberg nach ihm benannt, allein in Lörrach eine Grundschule und ein Gymnasium. Doch was sagt der Name den Grundschülern der Hebelschule in Nollingen? "Ganz wenige Schüler haben schon von Johann Peter Hebel gehört, wenn sie zu uns kommen", sagt Schulleiterin Sigrid Senger: "Es sprechen auch nur noch vereinzelte Alemannisch; viele machen deshalb ganz große Augen, wenn sie zum ersten Mal eines seiner Gedichte hören."

"Bald denki, ’s isch e bösi Zit,/ und weger’s End isch nümme wit", beginnt Hebels achtzeiliges Gedicht "Trost", das Senger zu diesem Anlass gerne zitiert: "Manche Schüler versuchen es auswendig zu lernen".

Wann die einstige "Volksschule Nollingen" zu ihrem Namenspatron kam, vermelden auch Manfred Fischer und Elmar Döbele in den "Rheinfelder Geschichtsblättern" zum Thema Schulen in Rheinfelden aus dem Jahr 2003 nicht. Vermutlich fand die Taufe in den Siebzigern im Zusammenhang mit der Gemeindereform statt.

Im baden-württembergischen Lehrplan für die Grundschule taucht Hebel laut Senger "gar nicht auf": "Gedichte und Dialekt ist zwar ein Thema, aber nicht unbedingt Hebel." Doch die Schule ist sich ihres Namenspatrons durchaus bewusst: In der dritten Klasse ist in Sachkunde das eigene Schulgebäude Thema. Die Schüler lernen den Altbau von 1904 Ecke Beuggener Straße/ Untere Dorfstraße durch eine Schulrallye kennen, nachdem sie die ersten beiden Schuljahre am anderen Ende von Nollingen im Neubau im Neumattenweg neben der Hebelhalle verbracht haben. Dabei haben sie im Eingangsbereich des Altbaus an einer Wand Informationen über Hebel zusammengetragen.

Inwiefern Johann Peter Hebel in den Klassen sonst eine Rolle spielt, hänge vom Interesse und Engagement des Lehrers ab: Gertraude Bantel, die ehemalige Rektorin bis 2017 hat sich zum Beispiel immer sehr für Hebel interessiert. "Manche Lehrer erinnern am 10. Mai an seinen Geburtstag", berichtet Senger. Andere wie Katja Kohler-Schmidt sind schon in Hebels Wohnort Hausen im Wiesental gewesen.

2017 nahm sie ihre Schüler mit ins dortige Hebelmuseum im Wohnhaus seiner Eltern. Kohler-Schmidt hat eine besondere Beziehung, weil sie dort wohnt; sie kommt allerdings ursprünglich aus Rheinfelden. Sie selbst besuche zwar oft Vernissagen anderer Künstler im Hebelhaus und habe dort auch schon Vertonungen von Uli Führe gehört, habe mit Hebels Werken aber sonst nicht viel zu tun, sagt Kohler-Schmidt.

Die Lehrer führten das Stück "Kannitverstaan" auf

Und dennoch lässt sie der große alemannische Dichter nicht los: In Laufenburg-Rhina, Grenzach-Wyhlen und Nollingen hat sie nur auf Hebelschulen unterrichtet. Ganz im Mittelpunkt stand Johann Peter Hebel allerdings 2010, im Jahre seines 250. Geburtstages: Senger erinnert sich an das Theaterstück "Drei Wünsche", das Lied "Der Schwarzwälder im Breisgau" (besser bekannt als "Z’Müllen an der Post" zur Melodie von "Z’Basel am mym Rhy") und die Gedichte "Der Mann im Mond" und "Der Kirschbaum", die die Schüler damals aufführten: "Wir Lehrer führten das Stück ‚Kannitverstaan‘ auf." Senger, eine gebürtige Nollingerin, hat privat wenig Bezug zu Hebel: "Ich hatte noch keine Zeit, ihn zu lesen."

Auch kennt sie ihn wie wohl die meisten vor allem als Autor der "Allemannischen Gedichte" und "Kalendergeschichten". Nicht bewusst war ihr, dass Hebel auch maßgeblich als Pädagoge gewirkt hat und dabei mit seinem Schweizer Zeitgenossen Johann Pestalozzi als einer der ersten versuchte, Kinder erstmals als Kinder und nicht als kleine Erwachsene zu behandeln. Soweit sie weiß, spielt auch Hebel als Theologe mit seinen "Biblischen Geschichten" für Schulkinder im Religionsunterricht an der Hebelschule keine Rolle.

Vor dem Gespräch mit der BZ habe sie nie über den Namenspatron ihrer Schule nachgedacht, gibt Senger zu. Aber sie finde es schön, mit dem Schulnamen eine regionale Verbundenheit auszudrücken. Durch die Beschäftigung damit sei ihr der Gedanke gekommen, den zweijährlichen Wandertag der Schule auf den 10. Mai zu legen.