Heißer Ritt in alpinem Gelände

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 27. August 2020

Mountainbike

Stiebjahn/Huber liegen beim MTB-Etappenrennen Swiss Epic auf Rang vier und fallen nach einer Schwäche des Schweizers zurück.

. "Die Strecken waren sehr anspruchsvoll, sowohl konditionell als auch technisch", sagt Simon Stiebjahn (Team Bulls), "vier der fünf Etappen hatten um die 2500 Höhenmeter". Die nackten Zahlen des Mehrtage-Mountainbikerennens Swiss Epic sind furchteinflößend: fünf Etappen, 320 Kilometer in alpinem Gelände, 12 250 Meter Gesamtanstieg, 11 850 Meter bergrunter. "Auch die Abfahrten waren technisch sehr schwer, sehr rau mit vielen Steinen", ergänzt Stiebjahn.

Der Langenordnacher war erstmals bei dem Wettkampf in der Schweiz, den es seit 2014 gibt, am Start. "Bisher hatte das Swiss Epic nie so die Wichtigkeit für uns im Team Bulls gehabt und es hat sich meistens mit irgendwelchen anderen Terminen überschnitten", sagt der 30-jährige Profi. Das hat sich aber schlagartig geändert, da Bulls nun E-Bike-Media-Partner des Swiss Epic ist. Bulls stattet all jene Wettkampfhelfer, die mobil sein müssen, mit E-Bikes aus. Der Start in der Schweiz war für drei Bulls-Zweierteams in diesem Jahr deshalb Pflicht.

Stiebjahn und sein Schweizer Partner Urs Huber, 2019 Bester im Marathon-Ranking des Weltverbands, gingen als "Bulls Heroes" ins Rennen. Martin Frey und Simon Schneller bildeten das Team "Bulls Youngsters" und Karl Platt/Alban Lakata starteten als "Bulls Legends". Die beiden sind wahre Legenden: Platt, mittlerweile 42 Jahre alt, hat fünfmal das Cape Epic in Südafrika gewonnen. Der Österreicher Lakata, 41, war dreimal Marathon-Weltmeister. "Der Wettkampf in der Schweiz war sehr stark besetzt, auch für uns hat sich die Wichtigkeit deutlich erhöht", sagt Stiebjahn, "zumal es in diesem Jahr ja nicht viele Möglichkeiten gibt, sich auszuzeichnen".

"Urs Huber brach komplett ein. Er hatte Kopfschmerzen und einen heißen Kopf."

Mountainbiker Simon Stiebjahn
Die Schweiz ist im Mountainbike-Sport weltweit die führende Nation und bei einem so bedeutenden Wettkampf wie dem Swiss Epic im eigenen Land, gehen natürlich auch die Besten an den Start: Nino Schurter, achtmaliger Cross-Country-Weltmeister und -Olympiasieger trat mit seinem Landsmann Lars Forster an. Huber/Stiebjahn peilten einen Platz "unter den ersten fünf an, wenn’s gut läuft auch die top drei". Obwohl Huber auf der ersten Etappe rund um Laax einen Defekt beheben musste, kam das Deutsch-Schweizer-Duo nach 60 Kilometern und 2500 Höhenmetern auf Rang sechs, 8:49 Minuten hinter den Siegern Schurter/Forster.

Am zweiten Tag waren 75 Kilometer und 2600 Höhenmeter von Laax nach Arosa zu meistern. Stiebjahn und sein Partner erreichten als Vierte das Ziel mit 2:46 Minuten Rückstand auf das tagesschnellste Team aus der Slowakei. Es war der einzige Tag, an dem Schurter/Forster nicht ganz oben auf dem Podest standen. Auch der dritte Tag lief für Stiebjahn/Huber gut: Rang fünf nach 50 Kilometern und 1900 Höhenmetern rund um Arosa. "Auf der zweiten und dritten Etappe lief es so, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagt Stiebjahn, "in der Gesamtwertung waren wir Vierter, der dritte Platz war noch in Reichweite". Sie wollten auf den letzten beiden Etappen ihre Angriffe auf das Podest starten.

Auf der vierten Etappe von Arosa nach Davos mit 74 Kilometern und 2700 Klettermetern passierte es dann: Der Schweizer Urs Huber "brach nach 40 Kilometern komplett ein". Am Nachmittag nach dem Wettkampf, den Stiebjahn/Huber auf Rang 13 beendeten, hatte der Schweizer "Kopfschmerzen und einen heißen Kopf". "Er hat sich auch über die Nacht nicht erholt", erzählt Stiebjahn, "nach eineinhalb Stunden hatte er auf der Schlussetappe keine Energie mehr". Erneut Rang 13 nach 61 Kilometern und 2550 Höhenmetern rund um Davos. Die "Bulls Heroes" wurden in der Gesamtwertung auf Rang acht zurückgespült. Bestes Bulls-Team waren die "Youngsters" auf dem fünften Platz, die Legenden kamen auf Rang 16.

Das Cape Epic in Südafrika, das es seit 2004 gibt, ist das Original. Das Swiss Epic und das Pioneer Race in Neuseeland sind die ersten Ableger auf anderen Kontinenten, es soll eine weltweite Epic-Serie aufgebaut werden, mit Qualifikationsrennen für das Mutterrennen in Südafrika. Ähnlich den Ironman-Rennen im Triathlon. "Unserem Sport würde das guttun", sagt Stiebjahn. Das nächste Ziel des Langenordnachers ist die deutsche Marathonmeisterschaft, die am 20. September im Odenwald ausgetragen wird.