HINTERGRUND

Christopher Ziedler

Von Christopher Ziedler

Fr, 15. Januar 2021

Deutschland

Online-Abstimmung muss bestätigt werden

Einen solchen (digitalen) Parteitag gab es noch nie: Nicht nur, dass die Kandidaten für den CDU-Vorsitz in der Halle nicht spüren werden, wie ihre Reden am Samstagvormittag ankommen. Corona hat auch informelle Kontakte zwischen den Delegierten eingeschränkt, weshalb Voraussagen zum Ausgang schwierig sind. Zwar vermuten die meisten ein enges Rennen, aber auch der niedersächsische Landeschef Bernd Althusmann will "nicht ausschließen", dass ein Bewerber schon im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erhält. Dann gäbe es schon vor 12 Uhr mittags, so die interne Zeitrechnung für den Fall einer Stichwahl, einen neuen Bundesvorsitzenden.

Gegen 15 Uhr soll er den Parteitag mit einer Rede beenden, nachdem zuvor seine Stellvertreter, Präsidium und Bundesvorstand vorrangig auf Basis von Youtube-Bewerbungsvideos gewählt wurden. Gleichwohl wird er nur ein "politischer Sieger" nach einer rechtlich unverbindlichen Online-Abstimmung sein. Das Ergebnis muss per Briefwahl bestätigt werden – weshalb die Teilnehmer neben einem Pincode für die Parteitagsseite auch einen Stift zum Ankreuzen in ihrer Post fanden. Auf dem Stimmzettel, den sich jeder Delegierte ausdrucken kann, soll nur der Name des digital Gewählten stehen. Merz, Laschet und Röttgen haben zugesagt, auf ihr Recht zu verzichten, bei der Briefwahl erneut zu kandidieren. Deren Ergebnis wird am Freitag nächster Woche verkündet. Der Probelauf für den ersten digitalen Wahlparteitag der Republik verlief am Dienstagabend störungsfrei. Die Sorge vor technischen Pannen aber bleibt, auch die Furcht vor Hackerangriffen ist da.