HINTERGRUND

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Fr, 22. Mai 2020

Deutschland

Debatten um Impfpflicht und Immunitätspass

Noch gibt es keine Impfung gegen Sars-CoV-2. Die Frage aber, ob es eine Pflicht, sich impfen zu lassen, geben soll, wird bereits diskutiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich vor vier Wochen "sehr offen" dafür, die Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte zum selben Zeitpunkt, sie befürworte eine Impfpflicht. Söder ist mittlerweile umgeschwenkt: "Es wird aus meiner Sicht keine Impfpflicht geben", sagte er jetzt dem Münchner Merkur. Für Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) steht fest, dass es keine Impflicht geben wird, auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt sie ab. Er betont, viele würden sich wohl nur zu gerne impfen lassen: "Wo die Freiwilligkeit zum Ergebnis führt, da braucht es keine Pflicht." Ergebnis heißt, dass die Pandemie ausläuft, wenn 60 bis 70 Prozent der Menschen immun sind.

 Neben der Frage der Impfpflicht taucht in den Berliner Debatten auch die Frage auf, ob es für von Covid-19 genesene und damit mutmaßlich immune Menschen eine Befreiung von Einschränkungen geben soll und ob sie dafür einen Immunitätspass bekommen sollen. Spahn hatte dies für Gesundheitsberufler vorgeschlagen. Damit würde es unnötig, sie laufend neu auf das Coronavirus zu testen. Dafür erntete er einigen Protest. Von Beschränkungen ausgenommen zu werden, könnte ein Anreiz sein, sich absichtlich zu infizieren. Spahn hat den Deutschen Ethikrat mit einem Gutachten zu der Frage beauftragt, "in welchem Zusammenhang der Nachweis einer Immunität genutzt werden sollte". Er selbst hat sich schon entschieden: Die Einführung des Passes hält er für erforderlich.