HINTERGRUND

Kathrin Burger

Von Kathrin Burger

Sa, 01. August 2020

Deutschland

Lachszucht und die Umwelt

Nicht nur Tierschützer, sondern auch Umweltschützer kritisieren die Lachszucht seit Jahren. Denn: Zuchtfische entkommen immer wieder in die Wildnis – "Escapees" werden diese Ausreißer genannt. Sie flüchten, etwa wenn Außenmaterial von Netzgehegen beschädigt ist. Durch Stürme kann ein solches Gehege auch komplett kippen.

Die entkommenen Zuchttiere gefährden das natürliche Ökosystem: Sie konkurrieren mit Wildtieren um Futter und Laichplätze, zudem übertragen sie Krankheiten oder paaren sich mit Wildbeständen. Dies verringert die genetische Fitness der Tiere.

Laut der Info-Plattform Aquakultur-Info sind weltweit knapp ein Drittel der Ökosysteme durch Escapees gefährdet. "Das Entkommen der Fische ist vermutlich der schlimmste Langzeiteffekt auf die Umwelt", sagt Anna Warglius, Wissenschaftlerin am Institute of Marine Research in Bergen.

Ein weiteres Problem der Aquakultur in Netzkäfigen: die Verunreinigung des sie umgebenden Wassers und Meeresbodens mit Futterresten und Exkrementen – und damit mit Stickstoff und Medikamentenresten.

Bei aller Kritik darf man aber nicht vergessen: Lachs wird vergleichsweise klimafreundlich produziert. "Für jedes Rindersteak, das man nicht isst, kann man acht Lachssteaks essen", sagt Christoph Zimmermann, der am Thünen-Institut für Ostseefischerei forscht. Siegel helfen bei der Orientierung: Das ASC-Siegel auf Fischprodukten aus der Aquakultur, das Pendant zum MSC-Siegel, aber auch das Bio-Siegel stehen für umweltschonendere Produktionsweisen. Bio- und ASC-Lachs norwegischer Zucht ist im WWF-Ratgeber mit grün bewertet, konventioneller mit gelb.