HINTERGRUND

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 03. Juli 2020

Südwest

Das Freiburger Modell dient als Vorbild

Die erste Sicherheitspartnerschaft in Baden-Württemberg ist Anfang März 2017 zwischen der Stadt Freiburg und dem Land besiegelt worden. Sie war eine Reaktion auf das lädierte Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung, ausgelöst durch die beiden Frauenmorde an der Dreisam und in Endingen im Herbst 2016. Die Polizei erhöhte damals ihr Personal in Freiburg – im Gegenzug baute die Stadt einen Vollzugsdienst auf, der sich seither um Ordnungsstörungen kümmert. Das war eine Bedingung des Landes. Freiburg war zu dem Zeitpunkt die einzige Großstadt in Baden-Württemberg gewesen, die keine eigene Stadtpolizei auf die Straße schickte.

 Im November 2018 wurde die Sicherheitspartnerschaft ausgebaut – dieser Schritt war eine Reaktion auf die Gruppenvergewaltigung beim Hans-Bunte-Areal. Die Polizei baute unter anderem eine eigene Ermittlungsgruppe "Sipa" auf, die sich um Intensivtäter kümmert und deren Ermittlungen allein 2019 in 26 Fällen zu Haftstrafen führten. Im Zuge der Sicherheitspartnerschaft ist auch die Straßensozialarbeit auf zehn Stellen erhöht worden.

 In den Jahren 2017 und 2018 kostete die Sicherheitspartnerschaft rund 6,8 Millionen Euro. Den Löwenanteil trug das Land für die Polizei. Der städtische Vollzugsdienst wurde auf 900 000 Euro taxiert. Stadt und Land werten die Partnerschaft als großen Erfolg. Die Straftaten in Freiburg sind im vergangenen Jahr um acht Prozent zurückgegangen und auf ein Zehn-Jahres-Tief gesunken. Freiburg hat nun auch den unrühmlichen Titel als kriminellster Stadtkreis im Land an Mannheim abgeben können.