HINTERGRUND

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

Di, 26. Januar 2021

Deutschland

Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie

In spätestens knapp zwei Jahren steigt Deutschland aus der Nutzung der Atomenergie aus. Mit den AKWs Grohnde, Gundremmingen und Brokdorf gehen Ende 2021 drei Reaktoren vom Netz. Spätestens ein Jahr später werden mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 die letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet. Weil auch immer mehr Stein- und Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen, hat das Bundeswirtschaftsministerium 2019 eine Untersuchung zur Versorgungssicherheit in Auftrag gegeben und sämtliche Szenarien durchrechnen lassen. Ergebnis: Bis zum Jahr 2030 ist die Stromnachfrage in Deutschland "zu 100 Prozent gedeckt", wie die Bundesnetzagentur mitteilt. Ausgeglichen werden soll der Wegfall der konventionellen Kraftwerke durch erneuerbare Energien. Bis 2030 soll deren Anteil am Strommix auf 65 Prozent steigen. 2019 lag er bei 42 Prozent. In dem Gutachten wurde auch festgestellt, dass bis 2030 die erforderlichen Stromimporte aus Nachbarstaaten sowohl in der Menge als auch aus Sicht der Übertragungsnetze sichergestellt ist. Bislang ist Deutschland überwiegend Stromexporteur. Seit 2015 werden im Durchschnitt jährlich per Saldo 50 Terra-Wattstunden Strom in die Netze der Nachbarländer eingespeist. Durch den Ausstieg aus der Atom- und Kohlekraft wird sich dies schon bald ändern. Um das künftige Defizit der Energieerzeugung in Süddeutschland auszugleichen, wird das Übertragungsnetz für den Stromexport aus dem Norden ausgebaut. Bis 2026 sollen diese Netze in einer Gesamtlänge von 5868 Kilometer fertiggestellt sein. Im September 2020 waren davon 511 Kilometer realisiert.