Strategie der Uni Basel

HIV-Selbsttests helfen in Afrika, das Virus zu stoppen

sda

Von sda

Do, 15. Oktober 2020 um 06:27 Uhr

Basel

Die Uni Basel und das Swiss TPH versprechen sich von ihrer Strategie Verbesserungen im Kampf gegen Aids in Afrika. Sie wollen mit HIV-Selbsttests Menschen in entlegenen Gebieten besser erreichen.

Wenn sich jemand mit HIV infiziert haben könnte, wäre es gut, er könnte sich testen lassen. In Afrika halten stundenlange Fußmärsche, die dafür nötig wären, jedoch viele Menschen vom Gang zum Arzt ab. Eine Basler Forschungsgruppe konnte nun die Möglichkeit für HIV-Selbsttests verbessern, was die Situation verbessern könnte, wie die Uni Basel und das Swiss TPH, das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institute mitteilten.

Zwei Drittel der HIV-Infizierten leben in Afrika

2019 waren weltweit rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Zwei Drittel der Betroffenen leben in Afrika, heißt es in der Mitteilung. Für die Eindämmung der Epidemie sei es zentral, dass alle Betroffenen Zugang zu antiretroviraler Therapie haben, die die Übertragung des Virus verhindern kann. Dafür brauche es jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose. Eine Herausforderung für abgelegene Regionen.

Als Beispiel führen Uni und Swiss TPH die Situation in Lesotho an, für viele Einwohner des Königreichs liegt die nächste Klinik einen mehrstündigen Fußmarsch oder eine teure Taxifahrt entfernt. Um den Zugang zu Gesundheitsdiensten und HIV-Tests zu erleichtern, organisieren Gesundheitszentren regelmäßig "Tür-zu-Tür"-Kampagnen. Studien haben jedoch gezeigt, dass sie damit nur circa 60 Prozent der Dorfbevölkerung erreichen.

Selbsttests mit Instruktionsmaterial in lokaler Sprache

Ein Team um Niklaus Labhardt, Professor an der Universität Basel und Forschungsgruppenleiter am Swiss TPH, hat nun eine Strategie entwickelt, mit der die Testabdeckung um 20 Prozent verbessert werden konnte. Dabei kombinierte das Team Hausbesuche erstmalig mit HIV-Selbsttests. Sollten Dorfbewohner während der Hausbesuche abwesend sein, hinterlässt das Kampagnenteam Selbsttests mit Instruktionsmaterial in lokaler Sprache. Dorfgesundheitsberater, welche in der Anwendung und Auswertung der Selbsttests geschult wurden, sammeln die Selbsttests im Nachgang wieder ein.

Eine großangelegte Studie, die im Fachmagazin "The Lancet HIV" veröffentlicht wurde, umfasste über 150 Dörfer mit mehr als 7000 Bewohnern. Sie zeigte den Erfolg der Selbsttests. Auch der Anteil Jugendlicher, die ihren HIV-Status kannten, ließ sich merklich verbessern, so die Forscher. Die Zahl der Aids-Todesfälle ist seit 2010 weltweit rückläufig. Gleichzeitig kam es 2019 nach wie vor zu 1,7 Millionen Neuansteckungen, die Hälfte davon in Afrika. "Gerade in den ländlichen Regionen braucht es daher eine Alternative zu den klassischen Gesundheitskampagnen, um eine optimale Testabdeckung zu erreichen", so Professor Labhardt.

Wichtiger Baustein

Die vorgestellte Strategie sei ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg, die HIV-Aids-Epidemie im südlichen Afrika zu beenden. Die Studie basierte auf einer engen Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde in Lesotho und der Schweizer NGO SolidarMed. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt durch den Schweizerischen Nationalfonds, die International AIDS Society sowie durch die Stiftung für Infektiologie beider Basel.