Tunisee

Wie war’s am … Samstag auf der Sea You?

Felix Klingel

Von Felix Klingel

So, 14. Juli 2019 um 11:29 Uhr

Hochdorf

Tausende Techno-Fans pilgerten am Samstag an den Freiburger Tunisee um gemeinsam zur Musik von DJs wie Jan Blomqvist oder Solomun zu feiern. Das war der erste Tag des Sea-You-Festivals.

Die Stage
Gigantisch! Über Stage 3 thront ein riesiger Seeadler unter dessen Schnabel am Samstag DJ-Legenden wie Solomun oder Boris Brejcha auflegen. Die Investition in diese riesen Konstruktion hat sich gelohnt, der Adler macht mächtig Eindruck, er nimmt die Feiernden quasi unter seine Obhut. Und er macht dem ikonischen Kettenkarrussell fast schon Konkurrenz in Sachen Most-Instagrammable-Place auf der Sea You.

Die Crowd
Weite Röcke, breite Rücken, jede Menge Glitzer und Jutebeutel mit den gängigen Sprüchen ("Augen zu und tanzen", "Der Bass muss ficken"). Außerdem ausladende Steampunk-Sonnenbrillen, Perücken und Leoparden-Bodys: Noch immer dominiert der Mix aus Techno- und Coachella-Look auf der Sea You. Auch wenn es hier und da ein paar extravagantere Styles zu sehen gibt, etwa eine komplette Leder-Montur. Gekommen sind natürlich vor allem junge Leute aus dem Umland, man hört aber auch viel französisch und italienisch.

Die Musik
Jede Kickdrum schiebt. Die Synapsen springen, das Gefühl genau jetzt, genau hier im richtigen Moment zu sein. Die Arme bleiben unten, aber die Mundwinkel fliegen nach oben als Boris Brejcha den Bass reindreht. Tanzen. Jetzt. Das ist Techno. Das ist – um Deichkind zu zitieren – leider geil.

Stimmungs-Check
Am meisten geht’s auf der Psychdelic Progressive Stage ab, der Bass pumpt fett und groovig und die Menge begrüßt jeden Drop mit Aufschreien und Rumspringen. Am entspanntesten ist die Stage 7, schon auf Grund der abgelegenen Lage ist hier wenig los, perfekt um einmal der Menschenmenge zu entkommen.

Aufm Klo um halb 7
Anstehen, kurzes Gespräch mit dem Vordermann wo denn hier eigentlich die Pissoirs sind, Luft anhalten, rein ins Dixi und so schnell wie möglich wieder raus.

Die Jungs an der Türe
Reinkommen ist kein Problem – man muss allerdings der Kontrolle einiger Polizisten standhalten. Ihr Blick schweift durch die Menge, kurzes Tuscheln, dann zustimmendes Nicken und sie ziehen einen Typen mit bemalter Kappe und einer Blume im Rucksack raus. Er darf seine Taschen auf links drehen – vor den Augen aller Anstehenden. Aber keiner schaut genau hin, bloß nicht der nächste sein. Play it cool. Ausweiskontrolle, ein anderer Polizist räumt derweil unsanft den Rucksack des Pechvogels aus, alles fliegt auf den Boden. Puh.

Gegen Mittag werden die Schlangen dann aber immer länger am Eingang – einzelne Besucher schimpften, dass sie mehr als eine Stunde warten mussten. Auf Facebook entschuldigte sich der Veranstalter für diese Panne: "Das neue System hat auch für uns neue Herausforderungen mitgebracht."



Schwitzfaktor
Ging voll klar, der Wettergott war gnädig: sonnig aber nicht allzu heiß, perfektes Festivalwetter.

An der Tanke
Gibt’s das 0,4l Bier für 4,60 Euro und Longdrinks für 7,90. Beides erfreut sich großer Beliebtheit. An Getränke kommt man dank des Cashless-Systems zügig, nur bis einmal Geld auf dem Sea-You-Bändchen ist, muss man etwas Wartezeit in der Schlange in Kauf nehmen. Dafür zockt einem der Automat einen Euro fürs Aufladen ab. Glücklich sind alle, die schon vor dem Festival Geld aufgeladen haben.

Pauschalurteil
Sommer, Sonne, Techno: eine schöne Sache!