Britisches Königshaus

Hofdame beschert Windsors mit "Verhör" wieder Rassismusvorwürfe

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Do, 01. Dezember 2022 um 20:30 Uhr

Panorama

Der rüde Umgang von Lady Susan Hussey mit der schwarzen Aktivistin Ngozi Fulani hat ein Nachspiel. Hussey trat vom Ehrenamt zurück und die Windsors sehen sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt.

. Die britische Monarchie befindet sich in ihrer ersten ernsten Krise, seit Charles III. im September die Nachfolge seiner Mutter an der Spitze des britischen Königshauses angetreten hat. Erneut muss sich die königliche Familie gegen den Vorwurf wehren, eine von Rassismus geprägte Institution zu sein. Anlass ist der Umgang von Lady Susan Hussey, der einst engsten Vertrauten von Queen Elisabeth, mit der schwarzen Aktivistin Ngozi Fulani.

Besonders ärgerlich ist der neu erhobene Vorwurf für Prinz William, den Thronfolger, der sich zum Ende dieser Woche zusammen mit seiner Frau Kate zu einer dreitägigen Reise in den Vereinigten Staaten aufhält. Dem Paar wurden am Donnerstag in Boston nicht nur freundliche Zurufe, sondern auch vereinzelt Buhrufe und skeptische Schlagzeilen zuteil.

Grund für die getrübte Stimmung war ein Empfang im Buckingham-Palast vom Dienstagabend, den Camilla, die Gemahlin des Königs, im Rahmen der UNO-Tage für den Kampf gegen allen Missbrauch von Frauen und Mädchen gab. Zu den 300 Gästen gehörte die schwarze Aktivistin Ngozi Fulani. Sie fand sich von der prominentesten Hofdame des Palastes, Lady Susan Hussey, herausgepickt und mit hartnäckigen Fragen nach ihrer Herkunft traktiert. Lady Hussey, 83-jährig und seit 1960 im Dienst der Krone, schob demnach Fulanis Haar beiseite, um ihr Namensschild besser lesen zu können und erkundigte sich minutenlang, woher Fulani "wirklich" komme, wann sie "aus welchem Teil Afrikas" nach England gekommen sei. Dass Fulani ihr erklärte, sie sei in Großbritannien geboren und britische Staatsangehörige, überging Hussey geflissentlich. In dem Gespräch, dessen Verlauf von zwei Begleiterinnen Fulanis bestätigt wurde, drängte Hussey Fulani, ihr endlich zu sagen, woher ihre "Leute" stammten. Fulani stöhnte anderntags, das Ganze sei ein regelrechtes "Verhör" gewesen, "zutiefst verletzend".

Zu einem Zeitpunkt, als die 61-jährige Ngozi Fulani erschöpft erklärte, ihre Eltern seien in den 1950er Jahren aus der Karibik nach Großbritannien gekommen, meinte Hussey triumphierend: "Ich wusste doch, dass wir der Sache irgendwann auf die Spur kommen. Sie sind Westinderin!" Wozu Fulani sagte: "Nein, Lady, ich bin afrikanisch-karibischen Ursprungs, aber britische Staatsbürgerin." Fulanis Begleiterin Mandu Reid, die Vorsitzende der Partei für die Gleichberechtigung von Frauen in Großbritannien, resümierte das Gespräch tags darauf gegenüber Journalisten mit den Worten: "Sie können verdammt sicher sein, dass es keinerlei Befragung dieser Art gegeben hätte, wenn Ngozi weiß gewesen wäre."

Eilends distanzierten sich die Windsors von dem Geschehen. Prinz William ließ seinen Sprecher verkünden, dass "Rassismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat". Aus dem Buckingham verlautete, es habe sich um "unakzeptable und höchst bedauerliche Kommentare" gehandelt. Die betreffende Person habe sich umfassend entschuldigt und sei von ihrem Ehrenamt zurückgetreten. Der Vorgang erwies sich für die königliche Familie freilich als umso verheerender, als Lady Hussey eine der hochgestelltesten Personen bei Hofe war. Sie war 62 Jahre lang Kammerzofe und Hofdame der verstorbenen Königin gewesen und im Laufe der Jahre zu einer der engsten Vertrauten Elizabeths geworden. Sie war es, der die Rolle zufiel, die Queen zu begleiten bei der Beerdigung von Prinz Philip.

Hussey, die Witwe des früheren BBC-Rundfunkrats-Chefs Marmaduke Hussey, war als "feste Stütze" der Krone auch von den anderen Windsor-Mitgliedern geschätzt worden. Charles hatte sie zur Patin von William gemacht. Umso peinlicher musste es für den Prinzen sein, sich nun von seiner Patentante so distanzieren zu müssen und gar von "Rassismus" zu sprechen. Aber William sah, wie sein Vater, offenbar keine andere Möglichkeit.

Denn die "Lady-Hussey-Affäre" hat auf gefährliche Weise die Vorwürfe wieder aufleben lassen, die schon der in die USA abgewanderte Prinz Harry und seine Frau Meghan gegen die daheim gebliebenen Windsors erhoben hatten. In ihrem berühmten Oprah-Winfrey-Interview hatte Meghan geklagt, ein ungenanntes Mitglied der Familie in London habe sich besorgt gezeigt über die Hautfarbe Archies, ihres ersten Kindes. William sah sich damals zur Versicherung gezwungen, die Windsors seien "keinesfalls eine rassistische Familie".