Großes Amateurtheater im Marienhof

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mo, 22. Juli 2019

Hohberg

Die Hohberger Bühnen führten "In 80 Tagen um die Welt" auf und hatten damit großen Erfolg.

HOHBERG-HOFWEIER. Bestes Wetter, voll besetzte Zuschauerreihen im Marienhof und eine tolle Stimmung auf und vor der Bühne. Besser hätte sich die große Theaterfamilie der Hohberger Bühnen die Premiere ihres Stücks "In 80 Tagen um die Welt" nicht vorstellen können. Am Freitagabend erlebte ihr bisher größtes Projekt passend zum zehnjährigen Bestehen der Gruppe seine Krönung.

Gut drei Jahre sind vergangen, bis aus der Idee, die Bühnenadaption des Romans von Jules Verne aus der Feder von Claus Martin als Freilichttheater aufzuführen, Realität geworden ist. Die Liste der Mitwirkenden (Akteure und Technikteams), umfasst vier volle Seiten mit gut 200 Menschen.

Die erzählerische Dynamik und die retardierenden wie witzigen Nebengeschichten, mit denen einst Jules Verne, aber auch der Bühnenautor die Story spickte, wurden in zwei Teilen umgesetzt. Dabei gelang es dem Amateurtheater, die rasante Weltreise kurzweilig zu inszenieren und eigene Ideen einzuarbeiten. Die Reisegesellschaft um Phileas Fogg begegnete der Abenteurerin Lady Pickwick (mit Ulrike Beck sehr temperamentvoll besetzt). Diese nahm sie auf eine Ballonfahrt mit und bescherte dem Publikum während einer Umbaupause eine videografische, kinoreife Reise vom Dach der Welt bis in den Garten der Freiherren Röderer von Diersburg.

Der Verfolgungsjagd zwischen der Gruppe von Phileas Fogg und einem Polizistenduo, das sie fälschlicherweise des Bankraubs verdächtigte, fehlte es nie an Dynamik. Verschiebbare Kulissen erlaubten es, jeweils drei Erzählabschnitte in fließendem Übergang darzustellen. Vom Zugabteil ging’s zum Beispiel direkt zu den Sehenswürdigkeiten von Mumbai und von dort in den indischen Dschungel. Ein Kostümrausch trug die Zuschauer aus dem viktorianischen England nach Asien, wo sich zum Beispiel in Hongkong ein goldener Straßenlöwe entfesselte und sich mitten durch die Zuschauerreihen wand.

Die Ausstattung allein löste bei den Schauspielern Begeisterung und ein Eintauchen in die Rollen aus. Dabei gab es auch Kabinettstückchen. Bei Charlie Dworog in der Rolle des Dieners Passepartout beispielsweise schwelgte die Maske im Spiel zwischen Kunsthaar (Augenbrauen und Moustache) und kontrastierten Mimikfalten. Pantomime, etwa als Passepartout dem Taijiquan-Meister in Yokohama (Heinz Günter Saemann, selbst Stockkampf-Lehrer) selbstvergessen bei dessen Übungen zusah, konnte der Akteur dabei herrlich ausleben.

Szenen wie diese profitierten auch vom professionellen Einsatz von Musik und Ton. Ob es nun japanische Zen-Musik war oder ein Geräusch. Lokomotiven und Dampfschiffe stampften und quietschen realitätsgetreu über die Lautsprecheranlage in die Ohren des Publikums hinein und zogen es mit ins Geschehen. Die Mitarbeit von Filmmusik-Komponist Maik Styrnol erwies sich als Glücksfall.