Horngachers Ausrufezeichen

Joachim Hahne

Von Joachim Hahne

Mi, 25. August 2021

Skispringen

Sohn des Skisprung-Bundestrainers dominiert das internationale Jugendspringen auf der Hinterzartener Europaparkschanze.

Skispringen im Sommer? Selbstverständlich! Hinterzarten gilt seit fast vier Jahrzehnten als das Mekka des Sommerskispringens. Der traditionsreiche FIS-Sommer-Grandprix der weltbesten Skispringer musste zwar zum zweiten Mal nach 2019 wegen des Umbaus der Rothausschanze ausfallen. Denn weiterhin präsentiert sich die Sprunganlage wegen eines Planungsfehlers als Großbaustelle. Dafür gab es jetzt auf dem 70-Meterbakken der Europaparkschanze sehenswerten Skisprungsport im Nachwuchsbereich zu sehen.

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Beim internationalen "FIS-Youth Cup" gingen 52 Jungen und Mädchen aus neun Nationen über den Bakken. "Da werden wir einige in ein paar Jahren im Weltcup wiedersehen", brachte ein Besucher, der den Nachwuchswettbewerb aus der Distanz von einem vorbeiführenden Wanderweg aus mitverfolgte, seine Eindrücke auf den Punkt. Denn Zuschauer waren, Corona-bedingt, bei dem Wettkampf der Nachwuchs-Weitenjäger nicht zugelassen.

Waren in der jüngeren Vergangenheit oft deutlich weniger DSV-Starter/innen am Start, so stimmte jetzt mit 15 Teilnehmern nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Mit insgesamt fünf Podestplätzen durch Siena Kienle, Julina Kreibich und Amadeus Horngacher vom SC Hinterzarten in den Einzelkonkurrenzen sowie zweimal Team-Silber konnte sich die Ausbeute des Deutschen Skiverbandes (DSV) sehen lassen.

"Die Jungs haben das sehr gut

gemacht und konnten die

Trainingseindrücke

bestätigen."

Talentscout Martin Schmitt
"Es war ein gutes Wochenende, das macht uns Hoffnung und zuversichtlich für die Zukunft", bilanzierte DSV-Talentscout Martin Schmitt das erste internationale Kräftemessen seit Beginn der Corona-Pandemie.

Der viermalige Ex-Weltmeister sah in der Sommerhitze des Adler-Skistadions den Tagessieg von Sina Kiechle. Die Allgäuerin vom SC Oberstdorf distanzierte mit Weiten von 70 und 71 Metern und der Gesamtnote 218,0 die zweitplatzierte Slowenin Tina Erzar (71,5 und 68,5/213,7) deutlich. Nach Sprüngen auf 72 und 70,5 Meter (209,1) reichte es für Julina Kreibich (VSC Klingenthal) für den dritten Podestplatz.

Das große Talent von Amadeus Horngacher ist hinreichend bekannt. Dass es aber für den 13-jährigen Sohn des deutschen Skisprung-Bundestrainers Stefan Horngacher trotz Heimvorteil im international stark besetzten Feld auch zum Sieg reichen sollte, war nicht unbedingt zu erwarten. Mit Sprüngen auf 77 und 77,5 Meter und der Gesamtnote 243,2 hielt der Lokalmatador vom SC Hinterzarten den Zweitplatzierten Polen Kacper Tomasiak (72,5/78/236,2) um sieben Zähler auf Distanz. Bronze ging an den Slowenen Smerajc Nik Bergant (77,5/73/230,6). Mit Janne Holz (SC Degenfeld), Lars Noah Morlok (SV Baiersbronn) und Julian Hillmer (SC Degenfeld) auf den Rängen fünf, acht und zwölf überzeugten drei weitere Athleten der Skiverbände Baden-Württemberg (SBW). "Die Jungs haben das sehr gut gemacht. Hier haben wir einen guten Jahrgang. Die Springer konnten die Trainingseindrücke bestätigen", gab es ein dickes Lob vom vierfachen Ex-Weltmeister und heutigen Trainer der Nachwuchsspringer, Martin Schmitt.

Die starken Leistungen des Einzelwettkampfs bestätigen die Mädchen und Jungen auch beim finalen Team-Wettkampf am Sonntag, der zur Freude des ausrichtenden SC Hinterzarten entgegen der Wetterprognose doch bei fairen Bedingungen über die Bühne ging. Bei den Mädchen schaffte fast erwartungsgemäß der Skispringerinnen-Nachwuchs aus Slowenien (Ziva Andric, Ajda Kosnjek und Tina Erzar) den Sprung auf das oberste Podest. Der zweite Stockerl-Platz ging an das DSV-Trio mit Sara Johannsen, Juliana Kreibich und Sina Kiechle. Auf Rang drei landeten die Österreicherinnen Sybille Reinprecht, Julia Schmid und Sara Pokorny.

Bei den Jungs wurde das Quartett aus Polen seiner Favoritenrolle gerecht. Mit 34 Punkten Rückstand landete der DSV-Vierer (Janne Holz, Lars Noah Morlok, Julian Hillmer, Amadeus Horngacher) vor den Slowenen auf Rang zwei.