"Ich bin in die Musik reingerutscht"

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Do, 17. Oktober 2019

Gundelfingen

DREI FRAGEN AN Dietrich Jeske, der in der Gundelfinger Mediathek eine musikalische Lesung gibt.

GUNDELFINGEN. Dietrich Jeske gibt in der Gundelfinger Mediathek teils skurrile Episoden aus seiner Jugendzeit in einer Kleinstadt im Schwarzwald der 1960er Jahre zum Besten. Dazu spielt der ehemalige SWR-Musikredakteur auf seiner Gitarre Songs von den Beatles, Stones, Jethro Tull und anderen. Mit ihm sprach vorab Gabriele Fässler.

BZ: Flower Power und Hippie-Feeling. Diese Begriffe fallen einem ein, wenn man an die Jugend der 1960er Jahre denkt. Wie haben Sie Ihre Jugend in St. Georgen im Schwarzwald erlebt?

Jeske: Ich bin 1958 mit meinen Eltern aus der DDR nach St. Georgen gekommen. St. Georgen ist eine Industriestadt, die in den 60er Jahren 13 000 Einwohner und 10 000 Arbeitsplätze hatte. Zu den größten Firmen gehörte damals der Plattenspieler-Hersteller Dual. Ansonsten war nicht besonders viel los. Für ein paar Leute wie mich, war die Musik sehr wichtig. Wir haben uns permanent getroffen, um über Musik zu reden, Platten zu hören und davon zu träumen, dass wir irgendwann mal Stars werden. Damit habe ich mich in meiner Jugend hauptsächlich beschäftigt.

BZ: Wie würden Sie den Beginn Ihrer Liebe zur Musik erzählen?

Jeske: Ich bin in die Musik reingerutscht dadurch, dass meine Mutter in der Plattenspieler-Fabrik gearbeitet hat. Um die Plattenspieler zu testen wurden Ende der 1950er Jahre die deutschen Schlager gespielt. Als dann die Beatles aufkamen, war ich sofort ergriffen. Und weil nicht viel los war, haben meine Freunde und ich sofort versucht, Musik zu machen. 1966 habe ich angefangen, autodidaktisch Gitarre zu lernen. Ungefähr zwei Jahre später kam ein Musiklehrer nach St. Georgen, der eine Musikschule gründete, an der ich 38 Jahre später selbst unterrichtete.

BZ: Politisch waren die 1960er Jahre geprägt vom Konflikt zwischen den Ost- und Westmächten. Wie haben Sie diese Zeit wahrgenommen?

Jeske: Mein Vater war politisch sehr interessiert, er war selbst im Krieg. Zur Zeit der Kuba-Krise hörte er im Radio – Fernsehen hatten wir noch keines –, dass die Welt kurz vor einem Atomkrieg stand. Diese Angst hat sich übertragen auf mich. Das war schon bedrohlich. Daran kann ich mich noch gut erinnern.

Dietrich Jeske, 1952 geboren in Naumburg an der Saale, kam Ende der 1950er nach St. Georgen im Schwarzwald. Er ist Betriebswirt, studierte Jazzgitarre und lehrte Jazz- und Rockgitarre. Von 1985 bis 2017 arbeitete er als Musikredakteur beim SWR in Freiburg. Seine Jugenderinnerungen hat er in dem Buch "Beat, Hawaii Toast und Kuba-Krise" festgehalten. Jeske lebt in Gundelfingen.

Musikalische Lesung "Beat, Hawaii Toast, Kuba-Krise" am Freitag, 18. Oktober, um 20 Uhr in der Mediathek in Gundelfingen (Kandelstraße 47). Der Eintritt ist frei.