"Ich verstehe mich als Ermöglicher"

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mi, 11. Dezember 2019

Kirchzarten

Florian Knöbel ist hauptamtlicher Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendbüro in Kirchzarten – besonders für Anliegen der Jungen .

KIRCHZARTEN. Martin Geserich nahm 1998 als erster Hauptamtlicher nach intensiven Bemühungen eines gemeinderätlichen Arbeitskreises die Geschicke der öffentlichen Kinder- und Jugendarbeit in Kirchzarten in die Hand. Die Stelle des ersten Jugendsozialarbeiters war somit mit einem Mann besetzt. Geserich blieb bis 2007, seither ist er Kreisjugendreferent beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Nach ihm übernahmen Frauen die Verantwortung. Doch seit einem Jahr ist mit Florian Knöbel wieder ein Mann an der Seite der Kinder- und Jugendbüro-Leiterin Martina Mödl.

Der 27-jährige Kinder- und Jugendsozialarbeiter zog jetzt in einem Pressegespräch Bilanz von seinem ersten Jahr im Talvogtei-Rathaus. Seine Arbeitszeit teilt sich zu gleichen Teilen in die Arbeit im Jugendzentrum Que Pasa an der Zartener Straße und die Umsetzung des Jugendpartizipationsprozesses, kurz Juparti genannt, auf. Die offene Arbeit im Jugendzentrum mache ihm viel Spaß, sie sei schon während seines Studiums ein Schwerpunkt gewesen.

Das Thema seiner Bachelor-Arbeit hieß "Alltagsbewältigung von Jungen". So lag es nahe, dass Knöbel zur Mädchenarbeit einen Gegenpol setzte. "Das ist für mich auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit", sagte er schmunzelnd. "Wenn es Mädchengruppen im Jugendzentrum gibt, muss es auch solche Angebote für Jungs geben." So bietet er seit einem Dreivierteljahr dienstags zwischen 16 und 19 Uhr eine feste Jungengruppe an. Regelmäßig kämen bis zu zehn Jungen zwischen elf und 15 Jahren, sagte er.

Die Treffen starteten immer mit einer Standortbestimmung: Wie geht’s uns? Welche Wünsche und Ideen haben wir für heute? Dann stehe die Programmplanung an. Häufig wollten die Jungs miteinander kochen oder grillen. Dann gelte es, die notwendigen Aufgaben zu verteilen und zu planen. Beim Einkauf spielten die Themen Umwelt und Regionalität eine Rolle: "Keine Produkte in Plastik verpackt und von weit herangeliefert einkaufen", laute die Forderung. Für die Diskussionen hätten sich die Jungen Regeln gegeben: "Wir wollen Konsens durch Kompromiss." Für Knöbel ist das wichtig: "Schließlich wollen wir junge Menschen gesellschaftsfähig machen." Neben Kochen seien auch sportliche Aktivitäten, Spiele oder Besuche in Freiburg wichtig. "Ich verstehe mich als Ermöglicher", beschreibt Knöbel seine Rolle in der Jungengruppe. Das Fazit seines ersten Berufsjahres nach dem Studium: "Ich bin gut angekommen und erlebe die große Vielfalt der Arbeit." Das Ferienprogramm vom Sommer sei dafür ein gutes Beispiel. "Und toll ist", gibt er zu, "ich muss nicht alles können. Wir haben im Rathaus und in unserem Netzwerk wie dem Förderverein viele Experten." Auch der Bürgermeister unterstütze die Arbeit. Andreas Hall, auf die Arbeit des Kinder- und Jugendbüros angesprochen, zeigte sich sehr zufrieden: "Natürlich nehme ich regen Anteil. Unser Kinder- und Jugendbüro arbeitet sehr professionell und mit einem hohen Maß an Empathie für unsere Jugend."

Zum Erfolgsrezept der Arbeit von Martina Mödl und Florian Knöbel gehöre sicher auch die fachliche Begleitung durch den Trägerverein für offene Jugendarbeit mit seinem Vorsitzenden Klaus Ehrhart, der die Fachaufsicht über das Kinder- und Jugendbüro habe, sagte Hall. "Den Ansatz der Jungenarbeit finde ich überzeugend und bin gespannt auf die Erfahrungen, die weiter damit gemacht werden."