Illegal Filme verbreitet

dpa

Von dpa

Fr, 18. Oktober 2019

Panorama

Ermittler schalten größte deutsche Filesharing-Plattform ab.

KÖLN (dpa). Die größte deutschsprachige Filesharing-Plattform Share-Online.biz ist am Mittwoch vom Netz genommen worden. Ermittler durchsuchten bei einer internationalen Razzia gegen die Betreiber Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Die Plattform bot Spielfilme, Musik-Downloads und Computer-Spiele zum Herunterladen. Allerdings wurden die bereitgestellten Kopien ohne Zustimmung der Urheber verbreitet.

Den Angaben zufolge wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt. Es gehe um "unfassbare Datenmengen", sagte ein Sprecher der bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW. Die Ermittlungen richteten sich gegen drei Männer im Alter von 40, 48 und 54 Jahren mit Wohnsitzen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Von dem Trio genutzte Server hätten in den Niederlanden und in Frankreich gestanden. Der 54-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft der Hauptverdächtige.

Festnahmen gab es bisher nicht. Den Betreibern werde vorgeworfen, durch den Betrieb der Filesharing-Plattform vielfache Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke begangen zu haben, so die Ermittler. Das von den Verdächtigen mutmaßlich organisierte Onlineportal ist laut Staatsanwaltschaft der größte in Deutschland betriebene sogenannte Filehoster. Auch die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen sprach vom "größten auf den deutschsprachigen Markt ausgerichteten Filehosting-Dienst".

Den Nutzern drohen strafrechtliche Ermittlungen

Über die Plattform seien urheberrechtlich geschützte Werke zum Download angeboten worden. Zudem habe es Anreize für Nutzer geben, Raubkopien hochzuladen, etwa Kinofilme, Serien, Pornos und Musik. Durch den Betrieb der Plattform sollen die Tatverdächtigen laut Staatsanwaltschaft von April 2008 bis Oktober 2017 einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro gemacht haben. Das Geld kam vor allem von den Nutzern. Sie konnten Share-Online.biz mit kostenpflichtigen Accounts mit höheren Download-Geschwindigkeiten nutzen. Für 28 Tage wurden im Oktober 10 Euro verlangt, für sechs Monate waren es 40 Euro.

Den Nutzern der Plattform drohen strafrechtliche Ermittlungen. "Tatsächlich ist sowohl der Upload als auch der Download eine Straftat nach Paragraph 106 Urheberrechtsgesetz", sagte der Kölner Fachanwalt Christian Solmecke. "Hier droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe." Handelten die Täter gewerblich, drohten sogar bis zu fünf Jahren Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft habe angekündigt, ihre Ermittlungen auf Up- und Downloader auszuweiten.