Im Dunkeln munkeln

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 16. Februar 2019

Neues für Kinder

Tageslicht? Nie gesehen: Wie die Bewohner der Tiefsee leben und überleben.

E s ist echt dunkel hier unten. Und je tiefer wir kommen, desto dunkler wird es.
Irgendwann verschwindet auch der letzte Lichtstrahl und
es herrscht einfach nur ein
schwarzes Nichts. Willkommen in der Tiefsee.


Die Tiefsee heißt so, weil sie der tiefe Teil der Ozeane ist. Sie fängt in einer Tiefe von 200 Metern an. Das ist so weit, als würde man zwei Fußballfelder der Länge nach aneinanderlegen und dann ins Meer tunken. Hier kommt noch ein wenig Sonnenlicht hin, es ist schummerig. Würde man aber den Feldberg umdrehen und ins Meer stecken, wäre sein Gipfel in komplette Finsternis getaucht. Er würde sich in rund 1500 Meter Tiefe befinden. Und da sind wir noch sehr lange nicht ganz unten. Auf dem Weg zur tiefsten Stelle im Meer kommen wir auch am Gipfel des umgedrehten Mount Everest vorbei – in 8848 Meter Tiefe. Dann sind wir endlich da: im Marianengraben, 11 000 Meter unter dem Meeresspiegel im Pazifischen Ozean. Erst drei Menschen waren jemals in dieser Tiefe. Und trotzdem haben Wissenschaftler vergangenes Jahr hier winzige Plastikteile gefunden – aus dem Müll, den wir an der Erdoberfläche machen.

Taucht man mehr als 1000 Meter ins Meer hinein, wird es nicht nur dunkel, sondern auch kalt. Zwischen einem und höchstens vier Grad Celsius herrschen hier. Sehr ungemütlich. Wer will da schon wohnen? Tatsächlich tummeln sich in der Tiefsee Millionen verschiedene Lebewesen. Wir kennen bisher erst einige davon. Sie alle sehen anders aus als Tiere, die wir von der Erdoberfläche oder aus den Meeresteilen über der Tiefsee kennen: manchmal gruselig, manchmal ulkig. Das liegt daran, dass diese Tiere sich an ihre dunkle, kalte Umwelt angepasst haben.

Damit sie wenigstens ein bisschen sehen, besitzen viele der Tiere Zellen, in denen Bakterien Licht produzieren können. So macht das zum Beispiel der Lasiognathus dinema, der zu den Tiefsee-Anglerfischen gehört. Seine vorderste Rückenflosse ist zu einer Art Angel umgeformt, an deren Ende ein Köder hängt. Der heißt Esca und kann leuchten. Damit lockt der Lasiognathus dinema seine Beute an. Andere Bewohner der Tiefsee haben besonders große Augen – oder riesige Mäuler mit langen Zähnen. Das erhöht die Chance, dass auch mal etwas Essbares hängen bleibt, wenn sie das Maul aufmachen. Hier unten gibt es nämlich kaum etwas zu fressen. Weil es kein Licht gibt, wachsen keine Pflanzen. Die Tiere fressen sich entweder gegenseitig oder das, was aus den oberen Teilen des Meeres zu ihnen nach unten fällt. Viele haben sich angewöhnt, nachts ein paar hundert Meter nach oben zu wandern, fressen dort und sinken wieder hinab.

Würmer, die mehrere Meter lang     werden können, Vampirtintenfische, Seegurken, Schlangensterne – sie alle bewegen sich wie in Zeitlupe durchs Meer. Schließlich haben sie über sich mehrere tausend Meter Wasser, das ist schwer und erzeugt großen Druck. Schnell nach Beute zu jagen ist schwierig. Die Tiere lauern ihr deshalb lieber auf. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass es vielen Tiefseetieren nichts ausmacht, wenn sie lange Zeit nichts zu fressen bekommen.

Der Zoo Basel zeigt die Ausstellung "Tiefsee" jedes Wochenende sowie an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr.