Grenzgänger

Im Elsass lebende Deutsche können sich in Frankreich impfen lassen

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 28. April 2021 um 08:47 Uhr

Elsass

Wer erhält wo seine Corona-Impfung? Das ist für in Frankreich lebende Deutsche nicht leicht zu beantworten. In Deutschland fallen sie aus der Priorisierung, doch in Frankreich sollte es klappen.

Seit voriger Woche steht die Corona-Impfung in Baden-Württemberg Menschen ab 60 Jahren ohne Vorerkrankungen zur Verfügung. Bärbel K., 69, hat sich darauf bei ihrer Hausärztin in Breisach gemeldet. Irritiert nimmt sie die Auskunft auf, die sie erhält, als sie einen Termin vereinbaren will. Leider sehe man keine Möglichkeit, sie zu impfen.

K. ist nach mehr als 45 Berufsjahren als Finanzbeamtin 2017 in den Ruhestand gegangen. Ihren Wohnsitz hat sie nicht in Deutschland. Vor 19 Jahren sind sie und ihr Mann ins Elsass, in die Nähe von Colmar umgezogen. Bleibt ihr deshalb die ersehnte Impfung gegen das Coronavirus verwehrt? Obwohl sie privatversichert ist? Als sehr belastend empfinde sie die Situation, sagt Bärbel K., die ihren Umzug bis zur Pandemie nie bereut habe.

Komplizierte Corona-Vorschriften für Grenzgänger

Das Ineinandergreifen der Corona-Vorschriften in Deutschland und Frankreich scheint in der Tat kompliziert. Das Beispiel von Bärbel K. zeigt auch, dass die Lebenswirklichkeit in Grenzregionen nicht immer angemessen berücksichtigt wird.

Grundsätzlich hat K. als deutsche Staatsbürgerin mit privater Krankenversicherung einen Anspruch auf eine Impfung gegen den Erreger Sars-CoV-2, erklärt das baden-württembergische Sozialministerium – auch wenn sie ihren Wohnsitz nicht in Deutschland hat. "Allerdings fällt sie nicht unter die Priorisierung, weil die Berechtigung, die sogenannte Anknüpfungstatsache, nicht im Inland liegt", erläutert Pascal Murmann, Sprecher des Ministeriums.

Dass K. zu der neu berechtigten Personengruppe ab 60 gehört, bringt sie also vorerst nicht weiter. Ihren Anspruch kann sie in Deutschland nach aktueller Rechtslage erst einlösen, sobald die Schutzimpfungen für alle Altersgruppen geöffnet werden. Die für K. nachteilige Rechtslage dürfte jedoch bald von der Realität überholt werden. Der Missstand ist wohl erkannt. In den kommenden Tagen, sagt Murmann, könnten sich diesbezüglich Änderungen ergeben.

In Frankreich lebende deutsche Staatsbürger sind an ihrem Wohnort impfberechtigt

Damit wären die Chancen auf eine baldige Impfung für Bärbel K. keineswegs ausgeschöpft. Marie-Alix Dadillon vom Zentrum für europäischen Verbraucherschutz in Kehl, wo etliche Anfragen von Deutschen, die im französischen Grenzgebiet leben, in den vergangenen Wochen eingegangen sind, verweist auf die Priorisierung in Frankreich. "Eine Impfberechtigung besteht für alle, die dauerhaft in Frankreich leben, unabhängig von einer französischen Krankenversicherung", erklärt Dadillon. Ein entsprechendes Dekret sei Ende Januar veröffentlicht worden. Zudem kann K. diesen Anspruch jetzt schon geltend machen: Seit Mitte April sind in Frankreich Menschen ab 55 Jahren ohne Vorerkrankungen impfberechtigt.

Bleibt nun noch der negative Corona-Test, den sie vorweisen muss, wenn sie über die Grenze fährt, auf dem Weg zu ihrer Hausärztin. Diesen benötigt sie im Übrigen auch, wenn sie ihre über 90-jährige Mutter im Pflegeheim in Emmendingen besuchen will. Es bleibt also kompliziert.