Natur

Im Holz stecken viele Borkenkäfer

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Sa, 02. April 2016 um 00:00 Uhr

Südwest

Der Borkenkäfer kommt bestimmt. Der warme Winter hat mehr Jungkäfer unter den Rinden überleben lassen als in früheren Jahren. In Freiburg sollen Waldbesitzer wachsam sein.

Doch ob es deswegen schon zur gefürchteten Borkenkäferplage kommt, hängt nach Einschätzung der Fachleute vom Wetter in den kommenden drei Monaten ab.

In den nächsten beiden Wochen werden, wenn das Wetter mild mit tagsüber 16,5 Grad bleibt, die Borkenkäfer wieder ausschwärmen und vor allem unter den Fichten neue Opfer fürs Fressen und fürs Auslegen ihrer Eier suchen. In diesem Frühjahr werden es mehr sein als in den Vorjahren, das ist gewiss: Im Herbst gab es, schreibt die FVA in ihrer jüngsten Waldschutzinfo, große Populationen von Buchdruckern – einer Art des Borkenkäfers –, die sich aufs Überwintern vorbereitet haben.

Die überdurchschnittlich große Wärme in den Monaten Oktober bis Dezember hat dazu beigetragen, dass sich deren Larven und Puppen weit entwickeln konnten. Der Nachwuchs habe dann auch die kälteren Tage im Januar bis in den März hinein besser überstanden, als wenn er noch im Larvenstadium gewesen wäre. In Brutbäumen habe man bei einer Stichprobe "nahezu nur vitale Jungkäfer gefunden", so dass anzunehmen sei, dass die starken Herbstpopulationen wenig Verluste erlitten haben. Der Kupferstecher, eine weitere Borkenkäferart, hat von dem trocken-heißen Sommer 2015 noch stärker profitiert: Es hat laut FVA deshalb zehnmal so viele Meldungen über befallene Waldflächen gegeben wie im Vorjahr.

Reinhold John, der Borkenkäfer-Experte der FVA, sieht deshalb aber noch nicht die große Plage insbesondere auf die Fichten des Schwarzwalds zukommen. Das entscheide sich in den kommenden Monaten: "Wenn April, Mai, Juni kalt und nass sind, dann war’s das für den Borkenkäfer", sagt er. Zudem müsse man berücksichtigen, dass in den vergangenen Jahren die Käferplage stets gering ausgefallen sei. Anders als in den Jahren unmittelbar nach dem großen Sturm Lothar im Jahr 1999: Damals konnten sich die Insekten an den vielen Bäumen gütlich tun, die der Orkan gefällt hatte und die noch lange im Wald liegen geblieben waren.

Eine ähnliche Gefahr könnte dort bestehen, wo im März 2015 der Sturm Niklas oder der Tornado im Mai Bäume umgeworfen hat. Deren Stämme sollten schnell aus den Wäldern geholt werden, rät die FVA, zumal es sich, die landesweite Holzproduktion betrachtet, um relative geringe Sturmholzmengen handele. Weitere Schäden in den Forsten sind durch Schneebruch, aber auch durch die sommerliche Dürre – hier ist der Kreis Emmendingen besonders betroffen – oder Insektenbefall entstanden.

Den Waldbesitzern wird deshalb empfohlen, vorbeugend einer möglichen Borkenkäferplage zu begegnen, indem sie geschädigte oder von Käfern schon befallene Bäume gewissenhaft aufarbeiten und abfahren, um so die Brutmöglichkeiten zu reduzieren. Die nur Millimeter großen Insekten bevorzugen geschwächte Bäume, vor allem Fichten, unter deren Rinde sie Gänge graben und sie so absterben lassen. Von Generation zu Generation können sie sich rasend schnell vermehren – und im vergangenen Jahr haben sie dank der Wärme in manchen Regionen drei Generationen geschafft.