Studie

Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mussten besonders viele Menschen in Kurzarbeit

dpa

Von dpa

Di, 30. Juni 2020 um 15:14 Uhr

Wirtschaft

Das Ausmaß der corona-bedingten Kurzarbeit ist laut einer Studie regional sehr unterschiedlich. Den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hat es stark getroffen – weil dort der Tourismus so wichtig ist.

Kurzarbeit im Zuge der Corona-Krise hat vor allem Regionen mit einer starken Autoindustrie und Urlaubsgebiete getroffen. Zu Letzteren zählt der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Vergleichsweise wenig Kurzarbeit sei in Städten mit starken Chemie- und Pharmaunternehmen angemeldet worden, zeigt eine Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Hohe Quote bei Kurzarbeit an VW-Standorten und Urlaubsgebieten

Die bundesweit höchste Quote bei den Kurzarbeitsanzeigen im März und April gab es demnach mit 56,0 Prozent am VW-Standort Emden. Am Stammsitz des Autokonzerns in Wolfsburg wurde mit 52,2 Prozent ebenfalls für mehr als jeden zweiten Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt, heißt es in der Untersuchung für die gewerkschaftsnahe Stiftung.



Überdurchschnittlich viel Kurzarbeit wurde demnach auch in Fremdenverkehrsregionen angemeldet. So wiesen die Kreise Breisgau-Hochschwarzwald (41,4 Prozent), Oberallgäu (40,4 Prozent) und Garmisch-Partenkirchen (35,1 Prozent) hohe Quoten auf. An der Nord- und Ostseeküste treffe dies etwa auf Wittmund (35,6 Prozent), Ostholstein (34,7 Prozent) und Vorpommern-Rügen (35,5 Prozent) zu. Der bundesweite Schnitt habe im April gut 31 Prozent betragen.

Chemie- und die Pharmabranche ist weniger betroffen

Die Forscher haben Regionaldaten der Bundesagentur für Arbeit zur angemeldeten Kurzarbeit ausgewertet. Diese Zahlen dürften deutlich höher sein als die der tatsächlich kurzarbeitenden Beschäftigten, da Firmen oft vorsorglich Kurzarbeit anmelden. Regionale Daten zur realisierten Kurzarbeit erwartet das WSI erst in einigen Monaten.

Die niedrigsten Quoten ermittelten die Forscher für den BASF-Standort Ludwigshafen (11,6 Prozent) und für den Bayer-Sitz Leverkusen (16,2 Prozent). Die Chemie- und die Pharmabranche sei weit weniger von Auftrags- und Produktionsrückgängen betroffen als der Maschinen- und Kraftfahrzeugbau.

Am meisten Kurzarbeit gibt es in der Gastronomie

Eine Erhebung des Münchner Ifo-Institutes hatte kürzlich ergeben, dass die Gastronomie mit 72 Prozent aller Beschäftigten die am meisten von Kurzarbeit betroffene Branche ist. Im Fahrzeugbau wurden von Ifo 513.000 Kurzarbeiter (46 Prozent) geschätzt. Inzwischen fahren die deutschen Autohersteller die Kurzarbeit schrittweise herunter.
Daimler, Bosch & Co.

Beim Stuttgarter Autobauer Daimler waren bis zu 80 Prozent aller Mitarbeiter in Kurzarbeit, bei denen dies möglich war. Seit Juni sind aber alle Werke weltweit wieder in Betrieb, Kurzarbeit gibt es nur noch in einzelnen Bereichen. Bei BMW sind noch rund 4000 der gut 84 000 Mitarbeiter in Deutschland betroffen, bei Audi ist es etwa jeder Vierte der 60 800 Mitarbeiter. Beim Zulieferer Bosch arbeitet noch etwa ein Drittel der 130 000 Mitarbeiter in Deutschland kurz, bei ZF sogar zwei Drittel der 51 000 Mitarbeiter. Man werde "bis weit in die zweite Jahreshälfte" Kurzarbeit benötigen", heißt es. Auch südbadische Zulieferer wie EBM-Papst in Herbolzheim arbeiten noch kurz. Andere, wie IMS Gear, planen gar einen Jobabbau.

Der Internationale Währungsfonds ermahnte Deutschland, Kurzarbeit nicht zu überdehnen. Das Instrument habe "in der Finanzkrise sehr gut funktioniert", sagte die IWF-Chefökonomin Gita Gopinath dem Spiegel. Jetzt habe es die Bundesregierung noch attraktiver gemacht. Setze die wirtschaftliche Erholung ein, müssten die Bedingungen aber geändert werden, sonst drohten Firmen künstlich am Leben erhalten zu werden.

"Man muss Arbeiter ermutigen, von schrumpfenden in wachsende Branchen zu wechseln." Gita Gopinath
"Man muss Arbeiter ermutigen, von schrumpfenden in wachsende Branchen zu wechseln", so Gopinath. Trotz der massenhaften Kurzarbeit ist laut WSI auch die Arbeitslosigkeit gestiegen, besonders stark in den Tourismusregionen Vorpommern-Rügen (plus 3,2 Prozentpunkte) und Wittmund/Ostfriesland (plus 2,6).

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