Immer mehr Affenpocken-Fälle weltweit

dpa

Von dpa

Fr, 20. Mai 2022

Panorama

Eigentlich seltener Erreger sorgt für ungewöhnliche Infektionshäufung / In der Regel milde Verläufe.

Zunächst war es ein wohl aus Nigeria eingeschleppter Fall in Großbritannien, inzwischen werden aus immer mehr Ländern Nachweise und Verdachtsfälle von Affenpocken gemeldet. Das Ausmaß überrascht und lässt Experten aufmerken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief zu einer Nachverfolgung aller Kontakte der Betroffenen auf.

Offenbar hat sich der Erreger bereits längere Zeit unbemerkt in mehreren westlichen Ländern ausgebreitet, am Donnerstag waren dann zahlreiche Nachweise aus Europa und Nordamerika bekannt, darunter auch welche aus Spanien, Portugal und Schweden. Für Deutschland war zunächst kein Fall erfasst. Allerdings ist im Zuge der gestiegenen Aufmerksamkeit mit weiteren Nachweisen zu rechnen.

Affenpocken sind eine auf ein Virus zurückgehende Erkrankung. Der Erreger wurde erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen – daher der Name Affenpocken. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. Das Affenpockenvirus ist auch auf den Menschen übertragbar.

Die in Europa und den USA auftretende westafrikanische Variante des Affenpocken-Virus ruft nach Angaben der in Großbritannien für Gesundheitsschutz zuständigen Behörde UKHSA meist nur milde Symptome hervor, kann aber schwere Verläufe nach sich ziehen. In Afrika führe sie bei etwa einem Prozent der Erkrankten zum Tod, sagte der Epidemiologe Paul Hunter von der Universität of East Anglia. Es gebe auch eine zentralafrikanische Variante, bei der zehn Prozent der Fälle tödlich verliefen. Alle Altersgruppen und Geschlechter gelten dem deutschen Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge als gleichermaßen empfänglich. Von tödlichen Verläufen in Afrika seien vor allem Kinder betroffen.

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus West- und Zentralafrika bekannt. In Nigeria wurden in diesem Jahr nach Angaben der dortigen Behörden bislang 15 Fälle von Affenpocken erfasst. Auch in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo kam es laut WHO 2022 zu Ausbrüchen. "Die jetzt außerhalb Afrikas auftretenden Fälle sind ungewöhnlich, müssen genau untersucht und eine etwaige weitere Verbreitung genau beobachtet werden", hieß es vom Friedrich-Loeffler-Institut.

Bei den aktuell erfassten Fällen sind in der Mehrheit Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten. Das Virus scheine sich derzeit vor allem zwischen homo- oder bisexuellen Männern auszubreiten, sagte der Virologe Stephan Becker von der Uni Marburg. Intimkontakt ist aber nur eine Möglichkeit der Übertragung – es ist womöglich Zufall, dass das Virus zunächst in diesen Personenkreis getragen wurde und dort kursierte.

Dem RKI zufolge geschieht eine Übertragung auf den Menschen häufig durch Kontakt mit infizierten Tieren oder tierischem Blut und Sekreten, über das Essen infizierten Affenfleischs sowie durch Tröpfcheninfektion. Zu den Symptomen zählen: Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, häufig auch Lymphknotenschwellungen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender, pockenartiger Ausschlag. Selten treten Erblindung und entstellende Narben auf.