Impulse aus dem Training

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 07. September 2021

Landesliga Staffel 3

Die abendliche Maloche unter der Woche zahlt sich für Neustädter und Löffinger Fußballer aus.

Elf Freunde sollt ihr sein. Ein Ideal, das sich auf dem Platz auch mit bestem Willen kaum umsetzen lässt. Die Kickerei ist ein Zweckbündnis, bei dem der Einzelne sein Ego in die Gemeinschaft einbringt. Elf, das sind nicht viel. 15, 16, manchmal auch mehr gleichwertige Spieler hat ein Trainer, wenn er seinen Traumkader nicht durch Urlaubssehnsüchte bedroht und von Verletzungssorgen heimgesucht sieht. Draußen sitzen ist für Ersatzspieler auf der Bank eine harte Prüfung. Dabei würde ohne sie das System Fußball nicht funktionieren.

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Florian Heitzmann ist kein Lautsprecher. Der Trainer des Landesligisten FC Neustadt ist um Ausgleich bemüht, um Harmonie. Dass er fast jedem seiner Spieler auch mal weh tun und ihn auf die Bank dirigieren muss, schmerzt ihn. Doch als Übungsleiter muss er auch mal hart sein, schließlich haben laut Spielordnung, die seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt, auf dem Feld nur elf Spieler Platz. Die dürfen, müssen aber keine Freunde sein. Gegenseitige Sympathie ist beim Zusammenspiel freilich hilfreich. In Neustadt funktioniert das derzeit gut. Die Chemie in der Mannschaft stimmt, die Etablierten und die jungen Wilden, von denen es im aktuellen Kader gleich eine Handvoll gibt, harmonieren. In Gutmadingen feierte der FC Neustadt am Samstag einen 3:0-Erfolg. Das Ergebnis gaukelt Überlegenheit vor, doch Heitzmann gesteht, "dass wir das Glück strapaziert haben". Bis in die Schlussphase habe die Partie auf Messers Schneide gestanden. Schon in der fünften Minute hatte Sam Samma den FCN mit einem trockenen Schuss in Führung gebracht, "aber mit ein bisschen Pech hätten wir zur Pause auch in Rückstand liegen können".

Nach einem Sieg sei eben nicht alles gut und nach einer Niederlage nicht alles schlecht. Schritt für Schritt entwickelten sich die Neustädter weiter, zwischenzeitliches Innehalten und Stillstand nicht ausgeschlossen. "Die Mannschaft macht das extrem toll", sagt Heitzmann, "die Jungs sind jedes Wochenende bemüht, ihr Bestes zu geben". Das nötige ihm Respekt ab. Einzelne Spieler hervorheben will der FCN-Trainer "eher nicht". Nach der Partie in Gutmadingen rückt er von diesem Grundsatz aber dann doch ab, weil ein junger Mann im blauen FCN-Trikot seit Wochen überzeugt. David Tritschler, gerade mal 18 Jahre alt, in der vergangenen Corona-Abbruchsaison noch A-Junior mit viel zu wenig Einsätzen, gelang in der 84. Minute mit dem Treffer zur Neustädter 2:0-Führung sein erstes Landesligator, ehe Rick Kiefer vier Minuten später mit dem 3:0 den FCN-Sieg zementierte. "Für seine 18 ist David physisch sehr stark", lobt Heitzmann, Tritschler sei sowohl Sprinter als auch Langstreckenspezialist. Eine Gabe, die nicht viele Kicker haben. Die große Bandbreite sei ein großes Plus, so Heitzmann, aber natürlich gebe es noch viel Entwicklungspotential. Und so wird Tritschler wohl in den kommenden Monaten auch mal auf der Bank sitzen. Dort zu hocken, sei nicht Strafe sondern Ansporn. Von der Bank kommen schließlich wichtige Impulse. So wie auch in Gutmadingen. Nach gut einer Stunde wechselte der FCN-Coach Pjetar Orosaj und Paul Brosi ein, in der 75. Minute kam Björn Fischer für Sam Samma. Frische Kräfte, die in der Schlussphase den Weg zum Sieg frei machten. "Die drei sind physisch stark", lobt Heitzmann.

Natürlich gibt es Zufälle bei der Ballarbeit. Doch Jörg Klausmann, Trainer des Landesligisten FC Löffingen, ist überzeugt, dass Fußball planbar ist. Immer und immer wieder hatte er in der vergangenen Woche seine Kicker im Training zu schnellem Umschaltspiel angehalten. Klausmann kann da sehr hartnäckig sein, weil er weiß, dass sich die Plackerei lohnt. In Schonach zeigten die Löffinger, was sie gelernt hatten. Fix im Kopf und in den Beinen, mit schnellen Pässen in die Tiefe, überraschte die FCL-Elf immer wieder die hoch stehende Schonacher Viererkette. Und Klausmann hatte früh das Gefühl, "dass das was werden könnte". Es wurde ein hochverdienter 2:0-Erfolg gegen die Schonacher, die in Asongwe und Blitztransfer Browne "zwei Raketen" im Team hatten, die zum Glück nicht trafen. Asongwe fand im ersten Durchgang seinen Meister in FCL-Schlussmann Raphael Albert, der einen Elfmeter reaktionsschnell per Fußabwehr parierte. "Den hätte nicht jeder gehalten", lobt Klausmann den Schlussmann, der den FCL im Spiel hielt und von der intensiven Trainingsarbeit mit dem langjährigen FCL-Stammkeeper Dominic Osek profitierte. Es war der erste Glücksmoment.

"Die Standards haben

funktioniert. Das haben

wir trainiert."

FCL-Trainer Klausmann
Und der zweite? "Die Standards haben funktioniert", blickt Klausmann auf das 1:0 zurück, das Simon Weißenberger mit dem Pausenpfiff in der Nachspielzeit nach einem Eckball erzielte: "Das haben wir auch trainiert."

Nach dem 2:0 durch Vereinschef Benjamin Gaudig (67.) war die Partie entschieden. Die Konter der Löffinger liefen jetzt wie im Lehrbuch, doch vor dem Tor wurde die gefühlte Lässigkeit am Ball zur Fahrlässigkeit. "Da haben wir vier weitere Treffer verschenkt", so Klausmann. Aus drei Metern Entfernung unbedrängt den Pfosten statt ins Netz zu treffen, sei ja fast schon ein Kunststück.

Im Fußball geht es für die, die ganz oben mitspielen wollen, um Beständigkeit. Die fehlt aktuell beim Bezirksligisten Bonndorf, wie TuS-Trainer Björn Schlageter nach der vermeidbaren 0:2-Heimniederlage gegen den FC Bräunlingen moniert. "Es sind Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen", so der Übungsleiter, der mit den Auswirkungen der noch immer anhaltenden Ferienzeit hadert. Etliche TuS-Kicker sind oder waren in Urlaub. "Wenn die zurückkommen oder gehen, dann fehlt der Rhythmus",berichtet Schlageter, der gegen die Bräunlinger ein typisches Unentschiedenspiel erlebte, "das hätte nach meinem Dafürhalten 0:0 enden können". Den Ausschlag gab vor 280 erwartungsfrohen Zuschauern schließlich eine dieser Kleinigkeiten. Die Bräunlinger nutzten einen individuellen Fehler der TuS-Abwehr zum 0:1. Das 0:2 in der Nachspielzeit, "naja geschenkt", sagt Schlageter. Seine Mannschaft schaffe es derzeit nicht, ihr Können über neunzig Minuten konstant auf den Platz zu bringen. "Daran müssen wir arbeiten."

Fabian Kanefeyer, neuer Trainer des A-Kreisligisten FC Lenzkirch, hatte seine Mannschaft klug auf einen erwartet starken Gegner eingestellt. Die Fußballer des SV Hinterzarten kamen mit der Reputation zweier souverän herausgespielter Kantersiege ins Atmos-Stadion. Trotz der 0:1-Heimniederlage zeigte sich der FCL-Coach nach dem Schlusspfiff mit der Leistung seiner Elf zufrieden. Hinterzartens Übungsleiter Nurhan Ardiclik bestätigte diese Sicht, die Lenzkircher hätten ihren Part robust gespielt. Und doch sei der HSV eben den entscheidenden Tick besser gewesen. "Es war ein Arbeitssieg", so Ardiclik, "schön anzuschauen war das für die Zuschauer sicherlich nicht." Das sei natürlich bedauerlich, denn der HSV-Coach ist einer, der am liebsten Wettkämpfe zum Genießen bieten will.

Doch dazu habe seinem Team "diesmal schlicht die Kraft gefehlt". Während in der HSV-Abwehr im dritten Saisonspiel zum dritten Mal andere Innenverteidiger den Laden dicht hielten, fehlte in der Offensive jene Aggressivität, die die Hinterzartener bislang auszeichnete. "Die Jungs hatten schwere Beine", sagt Ardiclik und hat schon einen Schuldigen für die daraus resultierende gebremste Gangart ausgemacht. "Das Abschlusstraining am Freitag war wohl zu hart." Und das habe nun mal er zu verantworten gehabt.