UNTERM STRICH: Ein Baguette ist kein Passierschein

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Do, 26. März 2020

Panorama

In Corona-Zeiten streiten die Franzosen mitunter ums Brot / Von Knut Krohn.

Die Franzosen haben eine besondere innige Beziehung zu ihrem Baguette. Das Weißbrot mit der markanten Form hat den Status eines Kulturgutes, schmeckt allerdings nur frisch gut. So ist der Gang zur Boulangerie an der Straßenecke für viele Menschen ein tägliches Ritual. Doch die Corona-Krise bringt selbst diesen sensiblen Lebensbereich durcheinander. Wegen der Ausgangssperre dürfen die Franzosen ihre Häuser in diesen Wochen nur noch mit einem "motif d’urgence" verlassen. Das Problem: Der Kauf eines Baguettes ist in den Augen der Polizei keine dringende Angelegenheit.

Diese schockierende Erfahrung musste ein Mann aus Parmain im Département Val-d’Oise machen, weshalb er sich nun emotional auf der Palme befindet. "Es ist eine Schande! Verwarnt zu werden, weil man ein Brot kauft!" erklärte er der Tageszeitung Le Parisien. Tags zuvor war er mit einem Baguette unter dem Arm aus der Bäckerei geschlendert und wollte sich auf sein Fahrrad schwingen, als er von zwei Polizisten angehalten wurde. Auf seinem Ausgangsschein, den in Frankreich jeder ausfüllen muss, der in diesen Tagen das Haus verlässt, hatte er bei "Grund der Reise" korrekt angekreuzt: Einkäufe. Die Beamten erklärten ihm, dass man wegen eines Baguettes nicht das Haus verlassen dürfe und brummten ihm eine Strafe in Höhe von 135 Euro auf.

In Sanary-sur-Mer bei Toulon wurden Bürger aus demselben Grund verwarnt. Bürgermeister Ferdinand Bernhard verteidigt das Vorgehen: "Wenn jeder wie üblich jeden Tag rausgeht, um Brot zu kaufen, multipliziert man das Risiko für sich und seine Umwelt, sich anzustecken". Man könne ja auch gleich das Baguette für seine Nachbarn einkaufen. "Wir haben in Sanary-sur-Mer alle Geschäftsleute, Polizisten oder auch das Pflegepersonal mit Masken ausgestattet", so Bernhard weiter. Dabei unterstreicht der Bürgermeister, dass die einkassierten Bußgelder direkt an die Krankenhäuser in der Region flössen. Sie kommen also einem sehr guten Zweck zugute.