Klimaschutzprogramm

In Denzlingen gibt’s eine 500-Euro-Prämie, wenn man sein Auto abschafft

Bernward Janzing

Von Bernward Janzing

Di, 11. August 2020 um 20:31 Uhr

Denzlingen

Die etwas andere Abwrackprämie: 500 Euro bekommen Autobesitzer in Denzlingen, die sich vom Verbrenner verabschieden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gemeinde durch kreative Ideen auffällt.

In Denzlingen erhält jeder ortsansässige Bürger, der sein Auto mit Verbrennungsmotor abschafft, ab sofort einen Zuschuss in Höhe von 500 Euro. Gleiches gilt beim Abschied vom Motorrad oder Roller mit Verbrennungsmotor. Das hat der örtliche Gemeinderat im Rahmen seines Klimaschutz-Förderprogramms beschlossen.

Kein Bargeld – sondern Zuschuss für Mobilität ohne Auto – oder einen Gutschein für den lokalen Einzelhandel

Die Gemeinde bezahlt die Prämie wahlweise als Zuschuss für eine Regio-Jahreskarte oder als Zuschuss zum Kauf eines neuen E-Bikes bei gleichzeitigem Nachweis des Bezugs von Öko-Strom im Haushalt des Antragstellers. Wer weder Jahreskarte noch E-Bike möchte, kann auch einen Einkaufsgutschein für Denzlinger Unternehmen erhalten, doch dieser beläuft sich dann nur auf 200 Euro.

Um Missbrauch zu verhindern, müssen die Bürger eine Selbstverpflichtung unterschreiben, dass "im Antragssteller-Haushalt kein neues, weiteres oder dasselbe Verbrenner-Fahrzeug innerhalb der nächsten 36 Monate zugelassen oder geleast" wird. Der Gemeinderat nahm das Klimaschutzprogramm mit 14 gegen 6 Stimmen an.

Fachleute nennen das Angebot ein "gutes Signal"

Das Konzept gilt auch im bundesweiten Maßstab als ungewöhnlich; dem ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist bisher kein Projekt gleicher Art bekannt. Der Verband bewertet die Aktion mit einer Einschränkung positiv. Grundsätzlich sei die Förderung ein "gutes Signal", um Verkehr umweltfreundlicher zu organisieren, sagt Michael Müller-Görnert, Verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Zugleich bemängelt der Verkehrsclub jedoch, dass diejenigen, die ohnehin kein Auto haben, benachteiligt würden.

Alternativ hatte der VCD in den letzten Monaten ein "Startgeld grüne Mobilität" vorgeschlagen – also eine staatliche Prämie für alle, die "für sämtliche Formen nachhaltiger Mobilität verwendet werden kann". Dies könne der Kauf einer Bahncard oder einer Jahreskarte für den Verkehrsverbund sein, alternativ auch der Kauf eines Fahrrads mit oder ohne E-Antrieb oder eines Lastenrads, der Bezug von Car- und Bike-Sharing-Leistungen oder auch ein Zuschuss zur Anschaffung eines E-Autos.

Unterdessen ist es nicht das erste Mal, dass die Gemeinde Denzlingen mit ihren knapp 14.000 Einwohnern und dem einzigen ÖDP-Bürgermeister Baden-Württembergs durch kreative Ideen auffällt. So hatte sie zum Beispiel im Kampf gegen knappen Wohnraum im Jahr 2017 beschlossen, dass Bürger, die – etwa nach Auszug der Kinder – in eine kleinere Wohnung ziehen, bis zu 2.500 Euro Zuschuss für den Umzug erhalten.



Auch E-Bikes werden gefördert – und Gebäudesanierung

Das neue Klimaschutzprogramm enthält nun über die Verkaufsprämie für Autos hinaus noch weitere Bausteine. Einige davon betreffen die Mobilität. So fördert die Kommune den Kauf von E-Lastenrädern und E-Lastenanhängern mit bis zu 500 Euro, und sie übernimmt die Anmeldegebühr bei Car-Sharing-Anbietern in Höhe von bis zu 60 Euro.

Darüber hinaus unterstützt die Gemeinde die energetische Gebäudesanierung, indem sie die Förderung bei Erstellung eines Gebäudeenergiekonzepts von 80 auf 90 Prozent aufstockt. Zudem bezuschusst sie Solaranlagen aus eigenen Haushaltsmitteln. Für Steckersolaranlagen bezahlt sie eine Pauschale von 210 Euro und zusätzlich 50 Euro bei der Installation einer dafür geeigneten Steckdose. Und Wohnungseigentümergemeinschaften, die eine Mieterstrom-Solaranlage bauen, erhalten bis zu 1000 Euro als Zuschuss zur ersten Steuererklärung nach der Inbetriebnahme.
E-Mobilität: Zunehmend mehr elektrisch angetriebene Roller tummeln sich in deutschen Städten. Wer auf diese Form der E-Mobilität umsattelt, sollte auf ein paar Dinge achten.