In der Nacht entstanden

dpa

Von dpa

Do, 09. September 2021

Kultur

Der neue Film des russischen Regisseurs Serebrennikow.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow hat nach der Weltpremiere beim Filmfestival in Cannes nun in Moskau den Kinostart von "Petrov’s Flu" ("Petrows Grippe") gefeiert. "Der Film beginnt nun seine Reise zu einer unglaublichen Zahl an Leinwänden in der Welt", sagte der Kino- und Theatermacher bei der Premiere der deutschen Co-Produktion. Der in mehr als 30 Länder verkaufte Film um die an Grippe erkrankte und vom Fieberwahn geplagte Familie Petrow läuft in rund 500 russischen Kinos an.

Der fast zweieinhalbstündige Streifen ist ein bewusst grotesk überdrehtes und zeitloses Kaleidoskop der russischen Gesellschaft. Er sei froh, dass er der Welt einen Film über das Leben in Russland und über die Fantasien der Menschen zeigen könne, sagte der 52-Jährige bei einer Gala. Bei dem öffentlichen Auftritt umjubelten die Premierengäste Serebrennikow, der 2020 in einem umstrittenen und wohl politisch motivierten Gerichtsverfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Auch der Film sei unter nicht einfachen Bedingungen entstanden – meist nachts, weil der Regisseur tagsüber oft vor Gericht stand wegen angeblicher Veruntreuung öffentlicher Gelder für Theaterprojekte, hieß es.

In Moskau ist gerade auch Serebrennikows für das Deutsche Theater in Berlin inszeniertes Stück "Decamerone" zu sehen. Das Theaterstück, das sich um die Pest dreht, gewinnt wie auch "Petrov’s Flu" durch die Pandemie unerwartet an Aktualität. Er rief auf der Bühne dazu auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.