Schopfheimer Gymnasium

In der "Zero Week" sind weder Strom, Fleisch noch Elterntaxis erlaubt

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Sa, 01. Februar 2020 um 13:11 Uhr

Schopfheim

In der "Zero Week" sollen Schüler, Lehrer und Eltern am Schopfheimer Gymnasium täglich auf etwas verzichten – vom Licht bis zum Wurstbrot. Werte sollen nicht nur vermittelt, sondern auch gelebt werden.

Für den Klimaschutz, für den Tierschutz, für mehr Toleranz: Am Theodor-Heuss-Gymnasium Schopfheim werden diese Werte in der nächsten Woche nicht nur im Unterricht vermittelt, sondern auch gelebt. Vom 3. bis zum 7. Februar lässt sich das THG – Schüler wie auch Lehrer und Eltern – auf das Abenteuer einer "Zero Week" ein. Das heißt: Jeden Tag wird auf etwas anderes verzichtet, das normalerweise den Schulalltag prägt. Vom elektrischen Strom bis zum Mobbing.

Die Idee zur Zero Week

Der Schulalltag am THG ist eine ziemlich energieintensive Sache: Quasi dauernd brennen die Lampen, es surren die Beamer, es leuchten die Tageslichtprojektoren, es rattern die Kopierer. Ganze Kolonnen von Autos quetschen sich morgens und mittags durch die Schlierbachstraße, um Schüler abzuliefern und abzuholen. Die Mülleimer in den Klassenzimmern – wer einmal Hausmeisterdienst gemacht hat, weiß das – quellen oft über. Die Schülermitverantwortung (SMV) mit den Schülersprechern Susann Kaiser und Thil Lütkenhorst an der Spitze ist nun auf den Gedanken gekommen, dagegen ein Zeichen zu setzen – mit einer Woche, in der jeden Tag auf etwas anderes schulalltägliches verzichtet werden muss. "Wir wollten uns mit einem aktuellen Thema beschäftigen", erzählt Susann Kaiser.

"Wir haben uns für den Komplex Umwelt entschieden", sagt die 17-jährige Zwölftklässlerin. Verbindungslehrerin Julia Lumbe hat den Entstehungsprozess dieser Idee begleitet. "Es gab ganz viele verschiedene Umweltthemen, die diskutiert wurden", berichtet sie. Da ging es in den Diskussionen der SMV – zuerst bei Treffen in der Schule und später auf einem Hüttenwochenende – zum Beispiel um Energieverbrauch, um Fleischkonsum, um CO2-Emissionen und Abfallwirtschaft. "Wenn schon, dann aber richtig", haben sich SMVler und Verbindungslehrerin gedacht, wie Susann Kaiser sich erinnert.

"Es ist alles freiwillig." Till Lütkenhorst

Aus der geplanten Aktion wurde also eine ganze Woche, in der sich die Schule jeden Tag den Umgang mit einem dieser Themen verordnet. Die Zero Week ist also nicht zu vergleichen mit den üblichen Projekttagen, sondern sie ist ein Spagat: "Uns war wichtig, dass das im Alltag mitläuft", sagt Till Lütkenhorst. "Es sollte kein Unterricht ausfallen." Während der ganz normalen Schultage sollen die Aktionen von Schülern, Lehrern und auch Eltern mitgemacht werden. Das funktioniert eigentlich ganz einfach. Denn es muss im Prinzip nichts getan werden – man muss nur Dinge sein lassen. "Es ist alles freiwillig", sagt Till Lütkenhorst. "Wir wollen auf die Themen aufmerksam machen und hoffen, dass der eine oder andere das verinnerlicht."

Die Tage der Zero Week

Das Ganze fängt am Montag an, Motto: "Zero Energy". Die Schule soll nahezu komplett auf elektrischen Strom verzichten. Keine Beamer, keine Tageslichtprojektoren, keine Tablets, keine Smartphones – und in den noch dunklen Morgenstunden noch nicht einmal Licht in den Klassenzimmern. "Wir haben die Schüler und Lehrer dazu aufgerufen, Taschenlampen mitzubringen", sagt Susann Kaiser. Nur die Rechner im Sekretariat dürfen laufen. Am Dienstag ist "Zero Meat" – kein Fleisch – angesagt. Weder Mensa noch Hausmeister verkaufen an dem Tag die üblichen Schnitzel oder Wurstbrote. "Wir können natürlich niemanden zwingen und nur dazu aufrufen", sagt Susann Kaiser. "Wir hoffen einfach, dass möglichst viele mitziehen." Am Mittwoch ("Zero Waste") soll möglichst viel Abfall vermieden werden – und das Ganze in einem pfiffigen Wettbewerb. Dazu sammelt die SMV vorher in den Zimmern die Mülleimer ein und verteilt Schuhkartons an die Klassensprecher. "Diese Kartons sind die Ersatz-Mülleimer." Schulleiterin Claudia Tatsch hat sich bereiterklärt, quasi als Müllmann tätig zu werden: Sie wird nach Unterrichtsende per Waage prüfen, welche Klasse am wenigsten Abfall produziert hat – und für die gibt’s dann einen kleinen Preis. Obendrein sollen die Lehrer möglichst auf Kopien verzichten und Mensa und Hausmeister-Kiosk verzichten darauf, verpackte Waren zu verkaufen.

Der Donnerstag wird vor allem für die Eltern spannend. Denn schließlich sind sie es, die jeden Morgen und jeden Mittag die Schlierbachstraße zum Anliefer- und Abholbahnhof für ihre Kinder machen. "Zero Traffic" heißt es da: Schüler wie Lehrer sollten entweder zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen. "Es ist immer noch unglaublich, wie viel Verkehr wir vor der Schule haben. Und es ist auch nicht ungefährlich", berichtet Till Lütkenhorst. Die Schule hofft, dass möglichst viele Eltern das Auto an diesem Tag stehen lassen, "und dabei vielleicht merken, dass es gar nicht nötig ist", sagt der Schülersprecher.

Friday for Respect

Der Freitag schließlich fällt etwas aus dem Rahmen. Er steht unter dem Motto "Zero Hate" und hat nichts mit der Umwelt zu tun, dafür umso mehr mit Klimawandel – einem Wandel des Schulklimas. Es geht darum, dass auch an der Schule gegenseitiger Respekt und Umgangsformen ab und zu etwas Nachhilfe brauchen. "Klar gibt es im Alltag kleine Beleidigungen oder Sticheleien", sagt Susann Kaiser. "Manchmal fällt einem das kaum noch auf, manchmal ist es Mobbing." Am Freitag soll darauf aufmerksam gemacht werden. Dazu kommt ein kleiner Vortrag eines Schülers in der Hofpause, der Denkanstöße für ein gutes Miteinander geben soll. Und eine schöne Idee rundet den Tag ab: In der letzten Stunde wird für jeden Schüler ein Zettel ausgelegt, auf dem die Mitschüler etwas nettes übereinander schreiben sollen.

Die Zero Week im Unterricht

Die Schüler werden ganz normal weiter unterrichtet – mit einer Ausnahme: Die ersten Minuten jedes Tages soll über das jeweilige Thema diskutiert werden. Wie kann man Energie sparen? Wie schränkt man seinen Fleischkonsum sinnvoll ein? Wie vermeidet man Müll? Wie bringt man seine Eltern dazu, auf die morgendliche Taxifahrt zu verzichten? Und: Wie schafft man ein gutes Klima an der Schule? "Manche Lehrer beziehen die Anstöße auch in ihren Unterricht mit ein und greifen die Themen da auf", berichtet Julia Lumbe. Besonders freut sich die Verbindungslehrerin übrigens darüber, dass die Idee der SMV von Schulleitung und Lehrerkollegen sofort unterstützt wurde. Je nachdem, wie das Fazit am kommenden Freitag aussieht, soll das Ganze im nächsten Jahr wiederholt werden – vielleicht mit neuen Problem-Themen.