Jubiläum

In Emmendingen halten seit 175 Jahren Züge

Patrik Müller

Von Patrik Müller

So, 02. August 2020 um 08:01 Uhr

Emmendingen

Seit dem Jahr 1845 liegt Emmendingen an der Bahn. Fast hätten die Dampfloks die Stadt links liegen gelassen. Doch Emmendingen machte Druck. Nur das mit dem Gleis nach Waldkirch wurde nichts.

War es das Rattern? War es die Beschleunigung? Auf jeden Fall wurde dem späteren Niederemmendinger Bürgermeister Karl Friedrich Becherer schlecht: Vor 175 Jahren hielt am Emmendinger Bahnhof der erste Zug auf dem Weg von Mannheim nach Freiburg. Die BZ hat einige Fakten gesammelt.



Die Fahrt war nichts für jeden
Offiziell in Betrieb geht die "Großherzogliche Eisenbahn" zwischen Offenburg und Freiburg am 1. August 1845. Doch schon Tage vorher schnauft die Dampflok durch Emmendingen – bei einer Hauptversuchsfahrt mit 800 ausgewählten Fahrgästen, bei der Jungfernfahrt mit dem Erzherzog am 30. Juli. Die Fahrt mit dem Zug ist jedenfalls nichts für jeden: Dem späteren Niederemmendinger Bürgermeister Karl-Friedrich Becherer wird bei seiner Reise in der dritten Klasse schlecht. "Davon wird man krank", notierte er.

Emmendingen hatte gekämpft
Die Planung von Eisenbahntrassen ist damals schon ein Politikum. Ursprünglich sollen die Gleise weiter westlich liegen, weg von der Innenstadt. Ein Emmendinger "Eisenbahn-Comité" sieht das anders. "Das ist für mich mit das Spannendste: Dass die Bahn tatsächlich den Bitten nachgegeben hat", sagt Stadthistoriker Hans-Jörg Jenne heute. "Das würde heute wohl kaum noch passieren."

Kurve in Kollmarsreute
Es gibt einen Grund, warum die Bahnlinie ursprünglich an Emmendingen vorbeiführen sollte: Der Streckenverlauf wäre dann auf jeden Fall gerader. Jetzt machen die Gleise südlich von Kollmarsreute einen Knick – laut Emmendingens Oberbürgermeister Stefan Schlatterer handelt es sich um die "schärfste Kurve" zwischen Frankfurt und Basel.

Von Emmendingen ins Elztal?
Daraus wurde nichts. "Emmendingen hat heftig darum gekämpft, dass die Elztalbahn in der Stadt hält", sagt Jenne. "Am Ende hat dann die Ökonomie gesagt: Denzlingen war ein paar Kilometer billiger." Die Stadt Waldkirch hatte, mit Hilfe einiger reicher Geldgeber, den Bau der Gleise von Denzlingen nach Waldkirch finanziert – den Betrieb nahm die Bahn dann am 1. Januar 1875 auf.

Der Bahnhof hatte ein Türmchen
Der Schock ist groß: 1887 ist das Türmchen auf dem Bahnhofsgebäude weg. "Schließlich kann man nicht umhin, dem allseitigen Mißfallen darüber Ausdruck zu geben, daß das elegante Türmchen mit Uhr und Zeigerwerk, welches eine wirkliche Zierde für die Stadt und den Bahnhof selbst gewesen ist, von der Bahnverwaltung ohne weiteres erbarmungslos abgerissen worden ist", klagt der Hochberger Bote. Die Turmuhr, heißt es weiter, soll sogar verkauft worden sein.

Warten auf den Zug war eine Qual
1944 zerstört eine Bombe den Südflügel des Bahnhofs. Für den Bau eines Warteraumes ist lange kein Geld da, wartende Passagiere drängen sich in der Schalterhalle. Nach langen Klagen gibt die Bahn der Stadt schließlich einen Kredit und lässt 1950 einen Anbau mit WCs errichten. "Der Anfang ist gemacht", schreibt die Badische Zeitung.

Der Bahnhof ist ein Millionengrab
Im Jahr 2014 wird der Emmendinger Bahnhof barrierefrei. Bis dahin ist es ein langer Weg: Vieles geht schief, die Bahn wechselt auf halber Strecke die Baufirma – und aus 5,7 Millionen Euro werden 10,4 Millionen Euro.

Der Bahnhof ist ein Magnet
Der Emmendinger Bahnhof ist der wichtigste zwischen Offenburg und Freiburg. Das geht jedenfalls aus einer Rechnung des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2018 hervor. 8200 Menschen steigen hier pro Tag ein und aus. In Lahr sind es 5100, in Denzlingen 5700. Zum Vergleich: In Freiburg sind es 55 800 Menschen.