In Erinnerung an Hans Josephsohn

Clara Rohr-Willers

Von Clara Rohr-Willers

Mi, 16. Oktober 2019

Laufenburg

Eine Ausstellung im Rehmann-Museum im schweizerischen Laufenburg ist dem großen Schweizer Bildhauer gewidmet.

LAUFENBURG/SCHWEIZ. Hans Josephsohn und Erwin Rehmann gehören zur selben Generation Schweizer Bildhauer. Das Rehmann-Museum stellt seit September Werke von Hans Josephsohn (1920-2012) mit dem Titel "Schaffen – Hans Josephsohn" aus. Am vergangenen Wochenende unterhielt sich der Ausstellungskurator Tyrone Richards mit dem Künstler und Hochschuldozenten Ewald Trachsel und mit Laurin Merz, Regisseur des Films "Josephsohn: Bildhauer", über Josephsohns bildhauerische Haltung. Laurin Merzs Film dokumentiert den Schaffensprozess und das Spätwerk des Bildhauers und bildet eine ideale Basis für die aktuelle Ausstellung im Laufenburger Museum.

Persönlicher Zugang zu Josephsohn
Seit den Fünfzigerjahren versuchen Künstler, Fotografen und Filmemacher, Josephsohns Plastiken sichtbar zu machen. Anfang der Neunzigerjahre baute der Architekt Peter Märkli für den Bildhauer das preisgekrönte Museum La Congiunta in Giornico in der Leventina. Einem größeren Publikum bekannt wurde der Bildhauer erst in den letzten 15 Jahren. Hans Josephsohn, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Jugendlicher nach Italien und schließlich in die Schweiz flüchten musste, ist vor sieben Jahren gestorben.

Zu Beginn des Ausstellungs-Talks erinnerte sich Laurin Merz an seine erste Begegnung mit Hans Josephsohn Ende der Achtzigerjahre. "Das Werk können Sie fotografieren, mich aber nicht", habe der Bildhauer gesagt, als Laurin Merz mit seinen Eltern das Zürcher Atelier besuchte. Auch der Bildhauer Ewald Trachsel, der zweite Gast am Ausstellungs-Talk, hat einen persönlichen Bezug zu Hans Josephsohn, da Trachsels Vater ihn persönlich kannte. "Einen Zugang zu dessen Werk habe ich erst vor 15 Jahren gefunden", schilderte Ewald Trachsel. Als "Wucht" beschreibt er Josephsohns Werke und dessen Künstlerposition, die im positiven Sinne aus der Zeit falle. "Hans Josephson ging von einer Arbeit zur anderen. Wenn etwas nicht vollendet war, ließ er die Figur eine kürzere oder längere Zeit stehen und befasste sich mit einer anderen." So sei die Konzeption für eine neue Figur jeweils aus der vorherigen entstanden, ergänzte Laurin Merz.

Film von Laurin Merz
"Im Zentrum stand ein Gewichtsverhältnis. Zuerst baute er mit simplen Gipsplatten auf, dann wurde alles zugepappt. Die Kiste ist gewachsen und gewachsen. Der richtige Schaffensprozess kam erst spät. Erst beim Schnittplatz habe ich gemerkt, wie das Finetuning vor sich geht", sagte der Aargauer Regisseur. Ewald Trachsel hält die Filmsequenzen über das Finetuning für besonders wertvoll.

"Hans Josephsohn dachte nicht in Bildern, sondern in Plastiken beziehungsweise in Räumen", erklärte Ewald Trachsel. "Die Sujets drehen sich immer um den Menschen und die Beziehung", fügte Laurin Merz hinzu. Hans Josephsohns Porträts – Liegende, Sitzende und Halbfiguren – seien für jedermann zugänglich, da seine Kunst ganz unmittelbar von der Anschauung lebe und nicht konzeptionell gedacht sei. "Schau hin und sehe", lautete eine seiner häufigen Aussagen.

Die Ausstellung im Rehmann-Museum dauert bis zum 9. Februar 2020.