CAP-Markt

In Pfaffenweiler hat der erste inklusive Supermarkt Südbadens eröffnet

Ralph Fautz

Von Ralph Fautz

Mi, 16. Oktober 2019 um 19:38 Uhr

Pfaffenweiler

Das ging schnell: Nur 260 Tage vergingen von der ersten E-Mail bis zur Eröffnung des CAP-Marktes in Pfaffenweiler. Der inklusive Supermarkt ist der erste seiner Art im südbadischen Raum.

Das ging richtig schnell: Nur 260 Tage vergingen von der ersten E-Mail bis zur Eröffnung des CAP-Marktes am Mittwochvormittag in Pfaffenweiler. Der inklusive Supermarkt ist der erste seiner Art im südbadischen Raum. Bei der feierlichen Einweihung in strahlender Herbstsonne waren – trotz Werktag und Vormittag – mehr als 100 Leute gekommen. Die Kürze der Zeit, in der der Einkaufsmarkt verwirklicht werden konnte, kam manchem Festredner unwirklich vor, aber trübte die Freude nicht.

"Sagenhaft!" Elisabeth Hog aus Pfaffenweiler strahlt über das ganze Gesicht, während ihr Blick vom Eingangsbereich des Marktes zum CAP-Logo hinauf wandert. Die Rentnerin ist froh, wieder einen Laden im Ort zu haben: "Das habe ich wahnsinnig vermisst. Ich musste immer nach Ehrenstetten fahren." Neben ihr schieben Kunden gefüllte Einkaufswagen aus dem Markt, vorbei an den Festrednern, die sich auf dem Parkplatz zum inoffiziellen Smalltalk zusammengefunden haben. Andere tragen grüne, mehrfach verwendbare Taschen mit CAP-Logo vorbei und sind sichtlich stolz.

Bürgermeister Hahn freut sich über atemberaubendes Tempo

Eine gute Stunde vorher blickte Bürgermeister Dieter Hahn auf die Entwicklung zurück, die den Markt in Pfaffenweiler ermöglicht hat, nachdem der Betreiber des Edeka-Markts sich zurückzog und das Gebäude mehrere Monate ungenutzt war. Wenn jemand Schwierigkeiten hatte, dem Bürgermeister bei seinen Ausführungen zu folgen, dann lag das schlicht daran, dass sich die geschilderten Ereignisse – und Hahn nannte nach eigener Aussage längst nicht jedes Gespräch und jeden Verwaltungsakt – in einem atemberaubenden Tempo vollzogen hatten. Der ersten E-Mail im Januar folgte die schnelle und umfassende Einbindung des Gemeinderats, wo das Konzept des CAP-Markts auf breite Zustimmung gestoßen war.

Ein Mietvertrag über zehn Jahre und ein kooperatives Miteinander mit dem Eigentümer der Immobilie waren der raschen Entwicklung ebenso zuträglich, wie die zügigen Genehmigungen durch die beteiligten Behörden in baurechtlichen Angelegenheiten und die Aufnahme in Förderprogramme für 2019. Hahn nannte weiter noch das Darlehen der Gemeinde für den Markt.

Menschen mit und ohne Handicap arbeiten zusammen

Was man hier sehe, sei das Gegenteil einer mit Klischees von Langsamkeit, mangelnder Flexibilität und Trägheit behafteten Verwaltung, so der einhellige Tenor der Redner. Herbert Kutschbauch, Vorsitzender der Gesellschafter der Lebenshilfe Breisgau gGmbH und Träger der Lebenshilfen Müllheim, Emmendingen und Freiburg, die hinter dem CAP-Markt stehen, würdigte das "atemberaubende" Tempo. Er betonte, dass sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden seien, der nicht das geschützte Umfeld einer Behindertenwerkstatt biete. Nein, die Arbeiter seien hier in der "rauen Wirklichkeit" und nicht abgeschottet. Inklusiv bedeute, dass Menschen mit und ohne Handicap zusammenarbeiteten. Was das Sortiment betreffe, so sei dies ein zu den üblichen Preisen vertriebenes Angebot der Edeka-Märkte.

Anke Dallmann, Behindertenbeauftragte des Landkreises, betonte, dass mit dem CAP-Markt das Menschenrecht auf Arbeit in einer herausragenden Weise umgesetzt werde. Architekt Michael Sing aus Karlsruhe, der den Umbau des Markts in vergleichsweise kurzer Zeit plante und begleitete, zeigte sich zufrieden. Die Pflicht sei geschafft, die Kür – sprich die Erneuerung der Fassade – stehe noch aus.

Sozialer Aspekt sei unterstützenswert

Bürgermeister Dieter Hahn erzählte dann noch von seinen Träumen. Er hoffe auf ein konstruktives Miteinander, sachliche Kritik und Anregungen. Außerdem hoffe er, dass man seine Einkäufe komplett in Pfaffenweiler erledige und nicht "nur schnell die vergessenen Spaghetti nachkauft". Dann, so Hahn, könne man 2029 das zehnjährige Bestehen feiern.

Weit mehr als eine nur eine vergessene Packung Nudeln wird Bettina Meisner aus Pfaffenweiler im CAP-Markt kaufen. Für sie ist es nicht nur wichtig, vor Ort Lebensmittel besorgen zu können, sie findet auch den sozialen Aspekt absolut unterstützenswert. Natürlich sei der Laden vor Ort auch gut für jene, die kein eigenes Auto hätten. Er sei "einfach toll."