Dachausbau

Insgesamt entstünde viel böses Blut, wenn gegen die Mehrheit entschieden würde

Walter Hayn

Von Walter Hayn (Freiburg)

Mo, 27. Juli 2020

Leserbriefe Freiburg

Zum Artikel "Potential auf den Dächern begrenzt" (BZ vom 29. Juni), in dem unter anderem eine Studie zur Schaffung von Wohnraum durch Dachausbau unter ande- rem im Stadtteil Landwasser vorgestellt wurde. Dieser Leser nennt eine ganze Reihe von Gründen, die seiner Ansicht nach gegen eine Nachverdichtung in Landwasser sprechen.

Bei der Vorstellung des Projektes "Wohnungen auf Dächern in Auwaldstraße/Spechtweg" am 10. Februar im Rathaus im Stühlinger war die Resonanz zurückhaltend. Nur zwei oder drei der Angesprochenen hatten Interesse bekundet.

Die Mehrzahl der Besitzer von ein- und zweigeschossigen Reihenhäuser sind nach Landwasser gezogen, um nicht in Mehrfamilienhäusern wohnen zu müssen, aus Gründen der Lebensqualität. Umso größer war meine Überraschung, als ich Ihren Artikel las. Wird da von oben festgelegt, was für die Bürger/ Untertanen am besten ist?
1. Ein Bebauungsplan wird in Teilen außer Kraft gesetzt. Die Rechtssicherheit wird damit weiter untergraben.
2. Tatsache ist, dass eine Aufstockung zur erheblichen Verschattung des Nachbargrundstückes führt. Die Architekten dieser Siedlung waren ja nicht dumm. Sie haben die Reihenabstände der ein- und zweigeschossigen Reihenhäuser so gewählt, dass auf der Südseite auch im Winter die Sonne in die ebenerdigen Wohnzimmer scheint. Das ist bei einer Aufstockung nicht mehr der Fall. Die kostenlose Sonnenenergie wird dadurch ausgeknipst. Soll das für das Klima, weil die Heizkosten steigen, nachhaltig sein? Sonnenlose Wohnzimmer sind plötzlich gesund?
3. Die Parksituation in beiden Straßen ist jetzt schon angespannt. Eine Nachverdichtung würde sie weiter verschärfen. Aber vielleicht hat die Verwaltung schon eine Stellplatzgebühr fürs Parken auf der Straße vor dem eigenen Haus in der Schublade.
4. Städtebaulich gar nicht ansprechend wäre eine ungeordnete Aufstockung, mal hier mal da, allemal.
5. Die Intimsphäre der Nachbarn wäre dahin, besonders bei Besitzern von Swimmingpools oder bei Sonnenhungrigen...

Ein Flugroboter zur ungehemmten, illegalen Einsicht in die Nachbarschaft ist dann nicht mehr nötig.
6. Im früher "Green City" genannten Freiburg wurden schon zu viele Grünflächen bebaut und versiegelt. Warum werden riesige Parkflächen dagegen nicht zwingend zwei- oder mehrgeschossig errichtet?

Insgesamt entstünde viel böses Blut, wenn gegen die Mehrheit der Bürger/ Untertanen entschieden würde. Die Kollateralschäden übertreffen bei weitem den Nutzen. Die Stadt sollte die grüne, ruhige Oase nicht mutwillig zerstören.

Walter Hayn, Freiburg