Preisexplosion

Interview mit dem Lahrer Innungsmeister: Holzpreise gehen durch die Decke

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Sa, 08. Mai 2021 um 19:00 Uhr

Friesenheim

Die Preise für Schnittholz gehen durch die Decke mit heftigen Preissteigerungen vor allem im Holzbau. Über die Ursachen hat die BZ mit dem Obermeister der Zimmerer-Innung Lahr gesprochen.

BZ: Herr Weschle, wie schwierig ist die Situation für die Zimmereibetriebe?

Weschle: Ich bin seit 1975 in dem Beruf tätig, aber so eine Situation habe ich noch nie erlebt, außer einmal, es war um das Jahr 1980. Da waren die Preise für Brettschichtholz fast so hoch wie jetzt.

BZ: Bei welchen Preisen liegen wir?

Weschle: Für Brettschichtholz haben wir letztes Jahr noch 450 Euro je Kubikmeter bezahlt, jetzt sind wir bei 900 Euro. Brettschichtholz wird benutzt für tragende Teile in einem Gebäude, das sind die verleimten Träger. Auch das Konstruktionsvollholz hat sich stark verteuert. Hier haben sich die Preise zum Teil verdoppelt.

BZ: Worin sehen Sie die Ursachen?

Weschle: Nur zu sagen, es geht alles in die USA und nach China wäre zu kurz gegriffen. Das ist bei den Großsägewerken, die auf Gewinnmaximierung gehen, sicher der Fall. In den USA werden 99 Prozent der Häuser aus Holz gebaut und dort werden derzeit dreimal so viele Häuser gebaut wie vor zehn Jahren.

BZ: Welche Faktoren sind es dann?

Weschle: Wir haben auch hier im Land eine so hohe Nachfrage nach Holzbauweise, wie ich es mir nie habe vorstellen können. Wir sind ja auch stolz darauf, dass wir den Holzbau so weit gebracht haben. Aber dadurch steigt halt die Nachfrage. Und dann kam noch Corona, der Heimwerkermarkt ist explodiert.

BZ: Wie steht es mit aktuellen Aufträgen?

Weschle: Uns bereitet Bauchweh, dass wir Verträge haben, die wir letztes Jahr abgeschlossen haben – mit Preisbindung. So fressen uns jetzt die Materialpreissteigerungen den Verdienst auf. Dass bis jetzt zu wenig bei den Waldbauern ankommt, schmerzt uns auch!

BZ: Heißt das, die Waldbauern verdienen wenig, obwohl der Markt explodiert?

Weschle: Das liegt an den Sägewerksstrukturen. Nach der Wende hat die Regierung die großen Sägewerke im Osten subventioniert. So sind riesige Sägewerke entstanden – das größte Sägewerk Europas steht in Wismar. Dahinter stehen große Konzerne, das hat nichts mehr mit einem Sägewerk im Schwarzwald gemeinsam. Das sind für mich die bösen Buben in dem ganzen Spiel.

BZ: Und wie schreiben Sie jetzt in Ihrem Betrieb Angebote für Ihre Kunden?

Weschle: Wir müssen eine Klausel aufnehmen ins Angebot, was die Materialpreise betrifft. Derzeit bekommen wir ja für manche Segmente nur Tagespreise. Wir müssen vorsichtiger vorgehen. Kollegen haben auch schon Aufträge abgelehnt. Das ist so etwas wie ein Stresstest. Ich will das aber nicht als Krise bezeichnen. Eine Krise wäre es, wenn wir keine Arbeit hätten.

BZ: Wie lange geht das noch?

Weschle: Ich hoffe auf eine Beruhigung bis Ende des Jahres. Aber auf das Niveau von zuvor werden wir nicht mehr kommen.
Zur Person

Alexander Weschle (61) ist Zimmermeister und seit 28 Jahren Obermeister der Innung Lahr, die aktuell 18 Mitglieder zählt. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt mit seiner Familie in Oberweier.