Rebellen

Irisches Dorf stemmt sich seit 10 Jahren gegen Shell-Pipeline

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Sa, 09. Juni 2012 um 00:02 Uhr

Panorama

Die Gasrebellen von Mayo: In Irland wehrt sich ein Küstendorf gegen eine Pipeline des Shell-Konzerns. Zehn Jahre dauert der ungleiche Kampf schon – und ist noch nicht zu Ende.

Der Tag, an dem John Monaghan die Wohnzimmervorhänge zurück schlug und geradewegs in das Rohr eines Geschützes der irischen Kriegsmarine blickte, war der Tag, an dem er endgültig wusste, dass sein Leben in der Broadhaven Bay nie mehr dasselbe sein würde. "Das Rohr des Zerstörers war genau auf unser Haus gerichtet", erinnert sich Monaghan, der junge Schmied, an diesen Morgen. "Ich starrte hinaus. Ich konnte es nicht glauben." Draußen, in einer der abgelegensten und idyllischsten Buchten der Grafschaft Mayo, hatte mit drei Schiffen die Hälfte der Kriegsmarine Irlands Aufstellung bezogen. Eines der Schiffe suchte mit seinem Geschütz gerade das Ufer ab. Es war von Demonstranten in Kajaks und schaukelnden kleinen Schlauchbooten umgeben.

Aufgefahren war die Staatsmacht zum "Schutz" eines Rohres ganz anderer Art: Der Bau einer Pipeline quer durch die Broadhaven Bay wirbelte die Welt Monaghans und seiner Nachbarn durcheinander. Sie stemmen sich mit aller Kraft gegen das Gasrohr, das ihnen der Shell-Konzern quer über das Land legen will. Das Rohr, sagen die Anwohner des Küstenstreifens in der westirischen Grafschaft Mayo, würde im Falle eines Unfalls weit Schlimmeres anrichten als ein Leck draußen im Meer. Zehn Jahre sind bei diesem Streit zwischen dem Gasriesen und den Rebellen von Broadhaven Bay schon vergangen. Das letzte Gefecht steht noch bevor.

"Wir hatten ja keine Ahnung, was hier passieren würde", sagt ein zweiter Anwohner der Bucht, der Farmer Willie Corduff. "Dass wir wegen der Pipeline allen Respekt vor unserer Regierung, vor unserer Polizei verlieren sollten. Absolut keine Ahnung hatten wir, als die Sache begann." Damals bestellten Corduff und seine Frau Mary noch unbehelligt ihre Scholle. Mit Kartoffelanbau, Torfstechen und Schafzucht war der Ertrag ihrer Farm gering. Die Grafschaft Mayo, in der beide aufgewachsen sind, zählte schon immer zu Irlands ärmsten Regionen, und über die vergessenen Randgebiete setzte auch der Keltische Tiger, wie Irland seit ...

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