Umweltverträglichkeit

Ist der Weihnachtsbaum öko?

Sönke Mohl

Von Sönke Mohl (dpa)

Sa, 24. August 2019 um 10:30 Uhr

Wirtschaft

Tannen aus regionaler Produktion weisen eine gute Ökobilanz auf. Die Preise für die Weihnachtsbäume bleiben voraussichtlich stabil.

Von der Plantage, aus dem Wald oder der Fabrik? Von ökologisch bis Plastik ist beim Weihnachtsbaum alles drin. Die Furcht der klassischen Weihnachtsbaumerzeuger vor dem künstlichen Grün wächst. Sie gehen in die Offensive.

Nordmanntanne, Blaufichte und Co. haben Unterstützung verdient, findet Benedikt Schneebecke. Ihre Beliebtheit als Weihnachtsbaum in deutschen Wohnzimmern ist angesichts stabiler und millionenstarker Verkaufszahlen zwar nicht gefährdet. Aber der Forstunternehmer mit 140 Hektar Weihnachtsbaumkulturen östlich von Rostock will dem schleichenden Siegeszug des Plastikbaums etwas entgegensetzen. Dazu hat der 39-Jährige mit juristischen Staatsexamen mit Gleichgesinnten den "Verband Natürlicher Weihnachtsbaum" gegründet. Noch seien es erst 30 Betriebe aus Deutschland und Dänemark, die zugesagt hätten.

Der Zusammenschluss soll aber so stark werden, dass genug Geld für eine PR-Kampagne zusammenkommt. Die hält Schneebecke für nötig. "Manche Leute verzichten aus falsch verstandenem Naturschutz auf einen Weihnachtsbaum oder nehmen einen Plastik-Weihnachtsbaum. Da geht es uns darum, aufzuklären", sagt er. Heute würden viele Umweltthemen diskutiert. Es gehe um Naturschutz, Kohlendioxid-Bilanz und Nachhaltigkeit. "Vielen Leuten ist einfach nicht bewusst, dass der natürliche Weihnachtsbaum das alles erfüllt." Seine Bäumchen, überwiegend die aus dem Kaukasus stammende Nordmanntanne, bieten nach Schneebeckes Angaben in den rund zehn Jahren des Wachsens zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum. "Wir holzen keine Wälder ab. Die Bäume sind extra dafür gepflanzt", argumentiert Schneebecke. Wie andere Landwirte auch können die Forstbetriebe nicht ganz auf Pflanzenschutzmittel verzichten. "Aber es wird, falls nötig, sehr reduziert eingesetzt."

Naturschützer sind gegen den Plastikbaum

Wer befürchtet, sich mit einem Weihnachtsbaum Schadstoffe ins Wohnzimmer zu holen, den beruhigt Schneebecke. Wenn man die Grenzwerte für Erdbeeren anlege, seien Weihnachtsbäume, wenn überhaupt, dann weit weniger belastet. Gedüngt werde auch in den Weihnachtsbaumkulturen – in geringen Mengen.

Corinna Hölzel vom Umweltverband BUND hält dem entgegen, die Grenzwerte für Pestizide seien generell viel zu hoch. Hier müsse es zu einer Reform im Zulassungsverfahren kommen. "Weihnachtsbäume stellen keine akute gesundheitliche Gefährdung dar", sagt die Pestizid-Expertin. Es gehe aber vor allem um die Belastung für die Natur in der Plantage, wo viel höhere Konzentrationen der Chemikalien erreicht würden. Eine Weihnachtsbaum-Monokultur ist ihrer Überzeugung nach ein feindlicher Lebensraum für fast alle Lebewesen.

Es sei möglich, Weihnachtsbäume nachhaltig zu produzieren, sagt die Referentin für Agrarpolitik beim BUND, Katrin Wenz. "Das kann auch ökologisch sinnvoll sein." Dann dürften aber keine Pestizide und natürliche Pflanzenschutzmittel nur in ganz geringem Umfang verwendet werden. Sie rät zu regionalen Weihnachtsbäumen aus ökologischer Produktion mit kurzen Transportwegen. Bei der Ablehnung von künstlichen Weihnachtsbäumen stimmen die BUND-Expertinnen zu. Sie seien aus Erdöl hergestellt, das für so etwas nicht verwendet werden sollte. Schon wegen des Problems der Entsorgung sagt Hölzel: "Hände weg vom Plastikweihnachtsbaum."

Für die Kunden ändert sich nach Schneebeckes Schätzung in diesem Jahr nicht viel. "Wir glauben, dass die Preise stabil bleiben." Zwischen 18 und 23 Euro müsse man für einen Meter Nordmanntanne wohl ausgeben.