IST JA ’N DING: Ein Anachronismus, der sein muss

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 21. März 2020

Ist ja ein Ding

Vermutlich sind Sie heute Morgen in eine Jeans geschlüpft. Jeder Durchschnittsdeutsche hat davon sieben Stück in seinem Kleiderschrank, sagen die Statistiker. Diese Hosen haben, seit der nach Amerika ausgewanderte Franke Loeb "Levi" Strauss sie 1873 erfunden hat, eine Wahnsinnskarriere hingelegt. Gestartet als Arbeitshosen aus dem robusten Baumwollstoff Denim, wurden sie in den USA und in den 1960er-Jahren auch über dem Atlantik zum Kultobjekt. Die Moden kamen und gingen, man trug sie mit Schlag, man trägt sie skinny. Auf jeden Fall aber hat die echte Jeans Nieten und fünf Taschen. In die kleine rechts über der Hosentasche hat man uns früher immer zwei Zehnerle gesteckt. Damit konnten wir Kinder im Notfall daheim anrufen. Später fanden darin Feuerzeuge Platz, Kondome oder anderes, das schnell zur Hand sein musste.

Derlei hatte Levi Strauss gewiss nicht im Sinn, als er in den 1890er-Jahren diese Tasche aufnähen ließ. In die "watch pocket" steckten die Männer ihre Taschenuhr, die immer populärer wurde.

Heute brauchen wir weder Zehnerle noch die Taschenuhr. Wir haben ja das Smartphone. Und das kommt in die hintere Hosentasche. Doch die kleine "watch pocket" – sie darf an einer echten Jeans nicht fehlen.