Italien stoppt die nicht-lebenswichtige Produktion

Annette Reuther /BZ

Von Annette Reuther (dpa)/BZ

Mo, 23. März 2020

Ausland

Die Zahl der Toten pro Tag sinkt – aber noch immer sind es Hunderte / Die Regierung in Rom reagiert drastisch.

ROM. Fast 800 Tote binnen 24 Stunden meldete Italiens Zivilschutz am Samstag, 651 am Sonntag – die Italiener müssen mit ansehen, wie selbst drastische Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus noch nicht den großen Erfolg zeigen. "Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. Er geht einen extremen Schritt: Die "nicht-lebenswichtige" Produktion wird geschlossen. Bis 3. April sollen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone alle Firmen und Fabriken dicht bleiben, die nicht essenziell wichtig für das tägliche Leben sind. Nur Supermärkte, Banken, Post, Apotheken sowie Tabakläden sind ausgenommen. Arbeiten darf auch die Lebensmittel- und Transportbranche sowie die Entsorgungs- oder Energieindustrie.

Insgesamt starben bis Sonntag 5500 Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren. Laut Zivilschutz sei bei den erfassten Verstorbenen die Todesursache nicht abschließend geklärt: Also ob die Menschen an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 starben oder an einer anderen Krankheit. Die meisten Opfer sind über 70 Jahre alt, viele litten an Vorerkrankungen, etwa an Diabetes, Krebs oder Atemwegsproblemen.

In der besonders betroffen Lombardei kann die Versorgung in einer Klinik nicht mehr gewährleistet werden. In der Provinz Bergamo müssen Militärwagen Särge in andere Städte zum Verbrennen schaffen. Seit 10. März gelten in dem Land bereits weitreichende Ausgangsbeschränkungen, viele Büros haben auf Homeoffice umgestellt. Mittlerweile ist es strikt untersagt, ins Grüne zu gehen oder Spaziergänge zu machen. Joggen ist in der Lombardei komplett verboten.