Italien

Italienische "Greta" kämpft für Recht auf Präsenzunterricht

afp

Von afp

Mi, 18. November 2020 um 17:30 Uhr

Ausland

Die zwölfjährige Italienerin Anita Iacovelli kämpft seit Wochen auf eigenwillige Weise für eine Rückkehr zum Präsenzunterricht im von der Corona-Pandemie hart getroffenen Italien.

Sie erinnert dabei an Greta Thunberg, wenngleich die 17-jährige Schwedin mit ihren "Schulstreiks für das Klima" auf den Klimawandel und einen besseren Schutz unserer natürlichen Ressourcen aufmerksam machen will.

Von Montag bis Freitag sitzt Anita Iacovelli mit ihrem pinken Klappstuhl und ihrem kleinen Klapptisch vor ihrer geschlossenen Schule in Turin und macht dort ihre Aufgaben. Mit Maske sowie mit Jacke, Mütze und Handschuhen zum Schutz vor der Kälte löst Anita an ihrem improvisierten Arbeitsplatz Aufgaben und beteiligt sich mit ihrem Tablet am Online-Unterricht. Ein selbstgebasteltes Schild erklärt, warum sie hier sitzt, statt gemütlich daheim zu lernen: "Anwesend! Der Unterricht in der Klasse ist unser Recht. Vorrang für die Schule", steht darauf.

Mit ihrer Protestaktion hat Anita am 6. November begonnen. An dem Tag stufte die Regierung die nordwestitalienische Region Piemont und damit auch Turin wegen der hohen Corona-Infektionszahlen als "rote Zone" ein. Die meisten Geschäfte, Bars und Restaurants mussten schließen, und die Bewegungsfreiheit der Menschen wurde eingeschränkt. Während Grundschüler weiter zur Schule gehen können, müssen ältere von zu Hause aus lernen. Die Zwölfjährige will sich damit nicht abfinden und lernt seitdem eben vor statt in der Schule. Nach ein paar Tagen schloss sich ihre Freundin Lisa dem Protest an. Auch ein paar Schüler einer Nachbarschule kommen mittlerweile dazu.

Anitas Aktion weckt nicht nur bei Passanten Interesse, die sich immer wieder über Anitas Klassenzimmer im Freien wundern. Auch Italiens Bildungsministerin Lucia Azzolina erfuhr von der Aktion. Sie "hat mich angerufen und mir gratuliert, weil sie meinen Kampf gut findet", erzählt Anita. Die Ministerin habe ihr "versprochen, dass sie alles tun werde, um die Schulen so bald wie möglich wieder zu öffnen". Das wird nicht leicht werden. Italien zählt zu den am schwersten von der Corona-Pandemie getroffenen Länder Europas.