Jakob Schneider pullt den Spielen entgegen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 04. April 2021

Rudern und Kanu

Der südbadische Top-Ruderer und dreifache Weltmeister aus Ihringen bleibt Mitglied der Besatzung des Deutschland-Achters und darf in Tokio an den Start gehen.

Jakob Schneiders Traum lebt. Der 26-Jährige aus Ihringen gehört auch in diesem Jahr zur Stammbesatzung des Deutschland-Achters. Das gab der Deutsche Ruderverband am Mittwoch bekannt. Schneider kann also bei den Sommerspielen in Tokio um olympisches Gold rudern. Die Spiele werden die ersten sein für den südbadischen Top-Ruderer – immer vorausgesetzt, sie finden vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie überhaupt statt.

Acht Recken, ein Steuermann, ein Ziel: Es ist immer dasselbe. Kaum waren die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro beendet, kaum hatte die damalige Besatzung in der Lagoa Rodrigo de Freitas in Brasilien Silber gewonnen hinter dem ewigen Rivalen Großbritannien, da begann schon der nächste olympische Zyklus. Die Vorbereitung auf 2020 in Tokio. Neue Männer kamen ins Boot, darunter Jakob Schneider, der junge Ihringer, der fortan nur ein Ziel kannte: Im Boot zu bleiben und es eines fernen Tages auch in Japan zu wassern. "Der ganze Aufbau der vier Jahre führt zur Klimax, zu den Spielen", sagte Schneider am Mittwoch der Badischen Zeitung. "Das wird automatisch zum großen Ziel."

Schneider bewährte sich, gewann drei Weltmeisterschaften mit dem Boot, das nun auch wieder die Briten zuverlässig in seinem Kielwasser ließ. Doch dann platzte Olympiatraum Nummer eins im ersten Corona-Jahr. Die Spiele in Tokio wurden auf 2021 verschoben, und keiner der Acht konnte ganz sicher sein, auch da wieder dazuzugehören. Zwar versprach ihr Trainer Uwe Bender ihnen schon im Winter, dass er auf dieselbe Crew vertrauen werde, die im ersten und einzigen internationalen Wettkampf 2020 ganz nach vorn gepullt war. Schneider und Co. gewannen im polnischen Posen im Oktober die Europameisterschaft. Es sollte keinen Selektionsdruck mehr geben. "Wir wollten die Sportler nicht nochmal durch die gleiche Mühle schicken", sagte Bender. Aber natürlich gab es einen Vorbehalt. "Unsere Leistungswerte mussten mindestens stabil bleiben oder sich sogar verbessern", berichtete Schneider. Die Werte des 26-Jährigen blieben stabil. Der Ihringer bleibt also im Boot. WM-Titel hat er nun schon gewonnen, aber Olympia, das sei nochmal etwas ganz anderes. "Wie sagt man? Weltmeister ist man für ein Jahr, Olympiasieger ein ganzes Leben lang."

Der Weg nach Tokio ist noch mit einigen Wettkämpfen gepflastert, zumindest in der Theorie. Zunächst soll vom 9. bis 11. April wieder eine Europameisterschaft im italienischen Varese stattfinden. Aber das hängt auch von der Entwicklung der Infektionszahlen ab, in Deutschland wie in Italien. "Es ist ein bisschen schwierig mit den Einreisebestimmungen in Italien", sagte Schneider. "Wir fahren immer nur auf Sicht." Natürlich hofft er, dass die EM über die Bühne gehen kann, genauso wie die drei Weltcups im Anschluss in Kroatien, der Schweiz und Italien. Er geht davon aus, dass alles stattfindet. Was bleibt ihm auch anderes übrig.

Eine letzte Frage, die in diesen Wochen jeder deutsche Olympia-Aspirant über sich ergehen lassen muss, beantwortete er eindeutig: "Ja, ich würde mich impfen lassen." Der Deutsche Olympische Sportbund habe dazu bereits eine Umfrage unter den Athletinnen und Athleten gemacht. Eine Covid-19-Erkrankung würde für Schneider wohl auch das Saisonende bedeuten, und damit wäre alles, worauf er vier Jahre lang hingearbeitet hat, umsonst gewesen. "Wenn mir jemand die Impfung anbieten würde, dann würde ich sie nehmen."