Fall Ayleen A.

Jan P. soll noch mehr Mädchen als bisher bekannt belästigt haben

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Di, 09. August 2022 um 19:27 Uhr

Gottenheim

Der mutmaßliche Mörder von Ayleen A. soll sich drei weiteren Mädchen genähert haben. Nur wenige Wochen nachdem er aus einem Programm für rückfallgefährdete Sexualtäter ausgeschieden war.

Immer neue Informationen über den des Mordes an der Gottenheimer Schülerin Ayleen A. verdächtigen Jan P. kommen ans Tageslicht: So soll der 29-Jährige Ende März ein 12 und ein 14 Jahre altes Mädchen aus seinem Wohnort Waldsolms in Hessen in einer Regionalbahn belästigt haben. Die Bild-Zeitung beruft sich dabei auf Aussagen des Vaters der Mädchen.

Demnach soll P. den beiden auf dem Bahnsteig und dann in die Taunusbahn gefolgt sein, einer der beiden soll er auf das Gesäß geschlagen haben. Laut Bild soll der Vater den Namen des Mannes herausgefunden und der Polizei gemeldet haben. Diese habe ihm gesagt, dass sie den Mann "auf dem Schirm habe".

Im April soll P. dann eine 17-Jährige auf einem Volksfest im hessischen Rosbach, wo er für einen Karussellbetrieb jobbte, und auch in der Folge bedrängt haben. Anfang Mai erstattete sie Anzeige gegen P. wegen Nötigung, der Staatsanwaltschaft wurde die Anzeige aber erst zugestellt, als P. schon wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft saß.

Jan P. war Ende Januar nach insgesamt fünf Jahren aus einem Betreuungs- und Kontrollprogramm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter entlassen worden, da dem Gericht keine neuen Sexualdelikte bekannt waren, die eine Verlängerung der Führungsaufsicht gerechtfertigt hätten. Ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamts wollte sich zu der Belästigung der beiden Mädchen im Zug am Dienstag nicht äußern.

P. war 2007 als 14-Jähriger nach einem Angriff auf ein elfjähriges Mädchen und einer versuchten Vergewaltigung zu zehn Jahren Maßregelvollzug in der Psychiatrie verurteilt worden. Bis 2017 war er in der Vitos-Klinik untergebracht, seit 2010 am Standort in Haina.

Die Vitos-Klinik ist in Hessen die zentrale Aufnahmestelle für psychisch kranke und drogenabhängige Straftäter im Maßregelvollzug, in Haina, einem von sechs Standorten, sind mit 420 Patienten die meisten untergebracht. Die Tötung der 14-jährigen Ayleen sei "für das gesamte Team", das P. "sowohl stationär als auch ambulant betreute, nur schwer zu ertragen", "auch wenn wir davon überzeugt sind, im Rahmen der uns rechtlich gegebenen Möglichkeiten alles getan zu haben", sagte Vitos-Kommunikationschef Rouven Raatz.

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