Paul Kuhn & eugen Cicero

JAZZ: Zwei Pianisten, eine Liebe

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Sa, 27. Juni 2020

Rock & Pop

Die Herren hatten, das hört man, ihren Spaß. Am 5. Oktober 1992 saßen Paul Kuhn und Eugen Cicero im Bernhard Theater, einem noblen Nachtclub im Souterrain des Zürcher Opernhauses, an zwei Flügeln. Sie spielten sich durch Jazzklassiker, dass es auch dem Publikum hörbar eine Freude war. Jemand schnitt damals das Konzert auf Kassette mit. Die lag dann beim Freiburger Plattenproduzenten Frank Kleinschmidt in einem Karton. Bis er jetzt daraus eine CD machte. Sie weilen ja beide nicht mehr unter uns, Cicero ist 1997 gestorben (an diesem Samstag wäre er 80 geworden), Kuhn 2013. Umso schöner ist dieses Dokument. Das Great American Songbook hatten sie beide studiert, in den 50er Jahren, hier frönen sie der gemeinsamen Liebe – von "How High The Moon" bis "The Lady Is A Tramp". Schön der Kontrast zwischen Ciceros klarem Anschlag und seinen trillernden Ornamenten im rechten Stereokanal und Kuhns lässiger Klangkultur und seinen sanglichen Linien im linken. Herrlich, wie sie aus "Cute" von Neal Hefti einen witzigen Dialog machen, wie sie in Henry Mancinis und Johnny Mercers "The Days of Wine And Roses" einander umspielen. Dazu gibt es mit Chopins Prélude e-Moll eine von Ciceros Klassikbearbeitungen und einige von Kuhns charmanten Gesangsnummern wie "My Funny Valentine". Das alles so locker, dass es sich ganz leicht anhört, und zugleich so voller pianistischer Finessen, dass man es nur bewundern kann. Swingende Klaviermusik at its best.

Paul Kuhn & Eugen Cicero: Bernhard Theater Zürich, 05.10.1992 (In+Out Records).