Kippa-Tag

Jede Attacke verletzt die zu verteidigenden Werte

Karl Kopp

Von Karl Kopp (Freiburg)

Di, 08. Oktober 2019

Leserbriefe Freiburg

Leserbrief zum Artikel "Zusammenstehen und Zeichen setzen beim Kippa-Tag", BZ vom 30. September.

Volle Zustimmung allen, die nicht schweigen wollen und die zur Verteidigung der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte zusammenstehen, die Zeichen setzen gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und jede Art der Ausgrenzung. Volle Zustimmung allen, die unsere Demokratie gegen Bedrohung durch Nationalismus in Schutz nehmen. Verstörend an dem Bericht zum Kippa-Tag ist allerdings das Foto. Es zeigt nicht die Fahne unseres Staates, welche die Werte des Grundgesetzes repräsentiert.

Abgebildet ist die Flagge Israels, eines Staates, der per Gesetz seine Bürger nach ihrer Herkunft und Glaubenszugehörigkeit sortiert. Israel grenzt in den von ihm militärisch besetzten Gebieten seit Jahrzehnten in den Zonen A, B und C die Menschen aus und ein. Es demütigt täglich Tausende an den 22 Checkpoints und Dutzenden weiterer Kontrollstellen im Westjordanland, wenn sie zur Arbeit, ins Krankenhaus, zum Nachbarn oder zu ihren Feldern wollen. Es separiert seine eigenen Leute durch Mauern und ihnen allein vorbehaltenen Schnellstraßen zwischen den abgeschirmten illegalen Siedlungen. Sein Premier punktete im vergangenen Wahlkampf mit Plänen zur Annexion weiterer besetzter Gebiete.

Wer dies alles aus dem weltweiten Konsens zu den Menschenrechten ausblendet, fällt den vielen Israelis und Juden von Uri Avnery bis Moshe Zimmermann in ihrem Einsatz für einen gerechten Frieden in Palästina in den Rücken. Um nicht falsch verstanden zu werden: Auch jede Attacke, jeder Terroranschlag, jede Rakete "auf die andere Seite" verletzt die zu verteidigenden Werte.Karl Kopp, Freiburg