Jede Briefmarke hat eine Geschichte

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Mo, 14. Oktober 2019

Grenzach-Wyhlen

Nach zehn Jahren veranstaltete der Briefmarken-Sammlerbund wieder einmal einen Großtauschtag in der Hochrheinhalle Wyhlen.

GRENZACH-WYHLEN. Die geographische, historische und thematische Vielfalt war groß. Beim Großtauschtag des Briefmarken-Sammlerbundes verkauften die Philatelisten in der Hochrheinhalle neben Briefmarken auch historische Briefe und Ansichtskarten. Eine Ausstellung von zehn Sammlungen ergänzte das Angebot. Der Veranstalter war mit dem Besucherzuspruch zufrieden.

"Die Kataloge sind von Händlern für Händler gemacht", sagte Daniel Herrmann, Vorsitzender des Briefmarken-Sammlerbundes Grenzach-Wyhlen. Die darin aufgeführten Preise würden nur bei Auktionen und mit seltenem philatelistischem Material erreicht. Realistisch seien bei niedrigen Werten zehn Prozent des Katalogpreises, bei hohen fünfstelligen Beträgen vielleicht auch 30 Prozent. "Je seltener etwas ist, desto mehr kann man bekommen", erklärte Herrmann.

Eine "nackte Marke" kaufen, ist für ihn auch keine Philatelie, sondern etwas, das Briefmarkensammler machen. Ein Philatelist möchte das Kuvert mit der Marke. Interessant sind in der Philatelie auch sogenannte Ganzsachen, wo die Briefmarke in den Umschlag oder die Postkarte schon eingedruckt ist. Während in Deutschland der Nachwuchs wegbleibt, boomt die Philatelie in Ostasien. "Über die Hälfte des verkauften Materials geht nach Asien", meinte Herrmann. Chinesische und japanische Philatelisten kauften derzeit in Europa ein.

Mit dem Besucherzuspruch war Herrmann zufrieden. Es war der erste Großtauschtag des Vereins seit zehn Jahren. Getauscht wurde allerdings nicht, sondern zehn Händler aus dem süddeutschen Raum und Frankreich präsentierten in der Hochrheinhalle Umschläge, Marken und Ansichtskarten aus der ganzen Welt und quer durch die Geschichte. Ergänzt wurde das Angebot durch eine Ausstellung von zehn Sammlungen, von denen Herrmanns Sammlung "Berlin 1916 – der Olympiatraum" und die Sammlung "Schlaraffia – von der Kunst zur Loge" von François Boeglin international mit Gold bewertet wurden.

Ewald Kunzelmann, Ehrenvorsitzender des Briefmarkenbundes, zeigte einen Ausschnitt seiner Sammlung zur Zensurpost während des Zweiten Weltkriegs. Zwischen 1939 und 1945 wurde der Inhalt von Sendungen oft beanstandet und an den Sender zurückgeschickt, erklärte Kunzelmann. Den Briefen wurden Notizzettel beigelegt, etwa mit dem Hinweis, dass der "Feind" mitlese und der Inhalt daher ungeeignet sei. Auf einem Umschlag prangte in roten Lettern ‚Feindland‘. Dieser Stempel sei heute nur noch dreimal bekannt, erzählte Kunzelmann, der in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Zensurpost mitwirkt.

Marc Kalk aus Village-Neuf bot alte Briefe an. Er hat sogar Briefe aus der Zeit, als diese noch ohne Umschlag versandt wurden. Die Briefe wurden einfach zusammengefaltet, versiegelt und auf die blanke Außenseite die Adresse geschrieben, erklärte Kalk. Umschläge kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Der älteste Brief aus seinem Material stammte aus dem Jahr 1848.

Am Kindertisch gab es Gratismarken

Burkhart Magin aus Worms ist ebenfalls auf alte Briefe und Postkarten spezialisiert. Etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, musste man bei seinem Brief, der von dem deutschen Schiff SS Neptun 1937 während des spanischen Bürgerkriegs abgesandt wurde. Das Schiff war ein Versorgungsschiff des Luftwaffen-Verbandes Legion Condor, die bei verdeckten Operationen die Putschisten von General Franco unterstützten. Als Preis gab Magin 150 Euro an. Bei Briefen gebe es keinen Katalogwert, sagte er. Da gebe es nach Erfahrung einen "Bauchpreis".

Während es am Stand des Briefmarken-Sammlerbundes nur den Nachdruck einer historischen Doppelkarte mit Gruß aus Grenzach-Wyhlen gab, hatte Martin Volk aus Bad Säckingen auch regionale, historische Postkarten im Angebot. Die Karte mit "Gruß aus Wyhlen" zeigte das Kloster Wyhlen und das Hotel Bilmaier. "Von der Machart her ist die Karte von vor der Jahrhundertwende", meinte Volk. Der Poststempel aus Wyhlen datiert auf das Jahr 1921.

Über den Kindertisch, wo sich Nachwuchsphilatelisten kostenlos Briefmarken mitnehmen konnten, wachte Kristina Rascher vom Briefmarken-Sammlerbund. "Ich bin Motivsammlerin", sagte sie. Neben Tiermotiven hat sie vor allem eine große Sammlung von Händen, die auch schon international ausgestellt wurde. Vor mehr als 30 Jahren erwachte ihr Interesse an Darstellungen von Händen. Zahlreiche Marken aus der ganzen Welt zeigen Gesten oder tätige Hände. Sie meint, dass sie eine der größten Sammlungen von Händen weltweit habe. Alleine das Motiv von Leonardo Da Vincis Fresko in der Sixtinischen Kapelle, wo sich Gott und Adam die Hände entgegenstrecken, habe sie auf 20 Marken.