"Jeder sollte schwimmen lernen"

bex

Von bex

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Schwimmlehrerin Nicola Gerspach, die seit sechs Jahren bei der DLRG Kinder unterrichtet .

Nicola Gerspach, 20 Jahre alt, aus Freiburg ist stellvertretende Jugendvorstandsvorsitzende der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) aus Freiburg. Außerdem bringt sie drei- bis fünfjährigen Kindern das Schwimmen bei. Jeder vierte Deutsche kann gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Was sie davon hält und was man dagegen machen kann, darüber sprach sie mit Younes Zidane, Zischup-Reporter aus der Klasse 9d des Rotteck Gymnasiums in Freiburg.

Zischup: Wie lange sind Sie schon bei der DLRG?
Gerspach: Ich bin seit 20 Jahren bei der DLRG. Ich wurde praktisch dort hineingeboren.
Zischup: Warum sind Sie zur DLRG gegangen?
Gerspach: Das haben meine Eltern so für mich entschieden, aber ich bin damit glücklich und habe da jeden Tag Spaß.
Zischup: Seit wann trainieren Sie Kinder unter sechs Jahren?
Gerspach: Ich trainiere seit sechs Jahren kleine Kinder, inzwischen trainiere ich aber auch ältere Kinder. Eine Zeitlang habe ich auch Migranten trainiert. Dies habe ich aber leider aufgrund einer Veränderung in meiner Arbeit niederlegen müssen.
Zischup: Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß?
Gerspach: Auf jeden Fall. Ich gehe jeden Montag mit einem Lächeln ins Bad. Das ist für mich auch ein Ausgleich zum Alltag.
Zischup: Haben Sie viele neue Erfahrungen gesammelt?
Gerspach: Ja auf jeden Fall, wir gehen ja auch auf Fortbildungen, und so bleibt man nie stehen.
Zischup: Was sagen Sie dazu, dass jeder vierte Deutsche nicht schwimmen kann?
Gerspach: Das ist sehr schockierend, ich habe es noch in der Schule gelernt. Die Schule, auf die ich gegangen bin, hatte ein kleines Schwimmbecken. Aber das gibt es ja kaum noch, und die ganzen kleinen Bäder müssen schließen, weil sie kein Geld mehr haben. Im Alter lernt man einfach schwerer! Dadurch kommt diese Zahl zustande.
Zischup: Und was kann man dagegen tun?
Gerspach: Man müsste mehr Kinderschwimmen anbieten, um einfach mehr Kinder zu erreichen und man müsste auch viel in der Erwachsenenbildung tun, dass diese dann den Kindern weiterhelfen können. Außerdem sollten die Kinder nicht nach dem Seepferdchen aufhören, sondern weitermachen. Der Schwimmunterricht an Schulen sollte mehr gefördert werden.
Zischup: Wo sehen Sie die Probleme von Nichtschwimmern?
Gerspach: Bei den Älteren ist es die Angst vor dem Wasser, weil sie es einfach nie gelernt haben. Gerade in Freiburg haben wir viele Menschen mit Migrationshintergrund, und bei denen dürfen halt viele Mädchen nicht schwimmen, weil die Eltern das nicht erlauben. Gerade das ist auch ein gravierendes Problem.
Zischup: Was raten Sie Personen, die nicht schwimmen können?
Gerspach: Man sollte einen Schwimmkurs belegen. Auch für finanzschwache Personen gibt es Förderungen, so ist es für jeden möglich, einen Schwimmkurs zu belegen.
Zischup: Was sollten die Eltern tun?
Gerspach: Eltern sollten früh mit ihren Kindern ins Wasser gehen. Damit kann man ihnen die Angst vor dem Wasser nehmen. Wer schwimmen kann, sollte viel mit den Kindern schwimmen gehen.