"Jeder Tag sieht anders aus"

Jonas Bruder, Klasse 4, Hofackerschule (Freiburg-Waltershofen)

Von Jonas Bruder, Klasse 4, Hofackerschule (Freiburg-Waltershofen)

Fr, 27. März 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Markus Kiefer, der in der Freiburger Fußballschule eine Art Ersatzpapa für die Internatsbewohner ist.

Vor einigen Tagen habe ich, Zisch-Reporter Jonas Bruder aus der Klasse 4 der Hofackerschule in Waltershofen, Markus Kiefer, den pädagogischer Leiter der Fußballschule in Freiburg, interviewt.

Zisch: Wie alt sind Sie?
Kiefer: 44 Jahre alt.
Zisch: Was für einen Beruf haben Sie?
Kiefer: Ich bin pädagogischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Freiburger Fußballschule.
Zisch: Was genau machen Sie als pädagogischer Leiter?
Kiefer: Wir sind hier ja sowas wie eine Schule, die Freiburger Fußballschule. Und wir haben ein Internat, das heißt, hier wohnen auch junge Menschen. Ich bin auf der einen Seite so eine Art Vaterersatz für die Kinder, aber auch eine Schnittstelle, also ein Bindeglied, zwischen den leiblichen Eltern und der Schule. Denn jeder, der hier auf der Fußballschule ist, macht neben Fußball noch etwas Anderes, in den meisten Fällen ist das die Schule. Das muss man koordinieren und gut betreuen. Heute Abend bin ich zum Beispiel auf einem Elternabend von fünf Schülern.
Zisch: Wie sind Sie dazu gekommen?
Kiefer: Ich habe in Freiburg studiert und habe angefangen, hier in den unterschiedlichsten Funktionen zu arbeiten.
Zisch: Wie lange machen Sie diesen Beruf schon?
Kiefer: Seit 18 Jahren.
Zisch: Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?
Kiefer: Die Abwechslung, dass es keinen Alltag gibt, jeder Tag sieht anders aus. Man weiß nie, was an einem Tag auf einen zukommt. Es gibt eigentlich keine Routine und es gibt immer wieder Überraschungen. Außerdem gefällt es mir sehr gut, dass ich mit jungen Menschen arbeiten darf.
Zisch: Was gefällt Ihnen nicht so gut an diesem Beruf?
Kiefer: Das ist eine schwere Frage, da muss ich nachdenken. Der Beruf gefällt mir insgesamt sehr gut, sonst würde ich ihn nicht schon so lange machen. Eine Sache, die mir nicht so gut gefällt, ist die Veränderung im Fußball, und zwar, dass Geld eine immer wichtigere Rolle spielt. Diese Entwicklung gefällt mir nicht so gut.
Zisch: Wie alt sind die Kinder ungefähr, die Sie betreuen?
Kiefer: Die Jungs, die im Internat sind, sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Wir haben aber auch jüngere Spieler. In der Fußballschule fangen wir ab der D-Jugend an, also ab etwa elf Jahren. Um ins Internat zu kommen, von dem ich vorhin gesprochen habe, muss man allerdings schon 15 Jahre alt sein, also mindestens U16-Spieler.
Zisch: Trainieren Sie die Kinder auch?
Kiefer: Nein, für das Sportliche sind ausgebildete Trainer verantwortlich, ich bin für alles abseits vom Fußballplatz zuständig.
Zisch: Wie viele Kinder betreuen Sie insgesamt?
Kiefer: Im Internat haben wir 16 Plätze.
Zisch: Wie viele Jahre bleiben die Jugendlichen dort?
Kiefer: Die Jugendlichen können dort maximal vier Jahre sein.
Zisch: Was machen die Jugendlichen den ganzen Tag? Sie spielen ja nicht nur Fußball.
Kiefer: Sie machen eigentlich zwei Ausbildungen. Zum einen die schulische Ausbildung, das heißt, sie gehen morgens ganz normal in die Schule, so wie du auch. Der Unterricht findet in den Freiburger Partnerschulen statt. Wir haben Jungs aus allen Schularten vertreten: Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten. Die andere Ausbildung ist die fußballerische Ausbildung. Die Jugendlichen trainieren sehr fleißig und ganz viel unter der Woche. Der Höhepunkt ist dann das Spiel am Wochenende. Der Alltag ist also ziemlich vollgestopft. Viel Freizeit bleibt den Jugendlichen neben der Schule und dem Training nicht.
Zisch: Welche Voraussetzungen muss ein Kind haben, damit es eine Chance hat, an der Fußballschule aufgenommen zu werden?
Kiefer: Die Jungs müssen sportlich und sehr talentiert sein. Man kann sich nicht einfach an der Fußballschule anmelden, sondern die Spieler werden gesichtet und vom Verein ausgesucht. Wir sind viel unterwegs und suchen die talentiertesten Spieler für uns aus.