"Jetzt geht wieder gar nichts"

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 06. November 2020

Skilanglauf

Nachwuchs-Langläufer der WSG Schluchsee und SZ Breitnau müssen auf Teamtraining verzichten.

. Jetzt ist Eigeninitiative gefragt. Das Verbot, im November organisiert Sport zu treiben, trifft auch die Wintersportvereine in der Region hart. Angesichts stark ansteigender Infektionen mit dem Coronavirus ist das Vereinstraining untersagt, damit auch die Sportler ihre sozialen Kontakte reduzieren. Bewegung ist weiter erlaubt, ja gewünscht – nur eben nicht in Gemeinschaft. Die BZ fragte exemplarisch bei zwei Hochschwarzwälder Skiclubs nach, was der Teil-Lockdown für ihre Mitglieder und das Vereinsleben bedeutet.

"Es ist schon schade", sagt Karl-Heinz Meßmer, der Vorsitzende des SC Schluchsee, zur zweiten von der Politik verordneten Zwangspause. Der erste Lockdown im Frühjahr hatte verhindert, dass die Langläufer und -läuferinnen der Wintersportgemeinschaft (WSG) Schluchsee wie üblich im Mai das gemeinsame Training aufnehmen konnten. Beim verspäteten Einstieg im Juli mussten die Gruppengrößen anfangs noch reduziert werden.

Das geplante Trainingslager im September in Seefeld fiel der Pandemie zum Opfer – Tirol war "Risikogebiet". Stattdessen trimmten die Trainerinnen den WSG-Nachwuchs auf dem Notschrei und rund um Schluchsee. "Auch der geplante Schneelehrgang in Seefeld Anfang Dezember wird abgesagt", erklärt Meßmer. Die Schluchseer wollen wieder auf die Schneeinsel Notschrei ausweichen. Ende November soll dort mit Snowfarming-Beständen aus dem vergangenen Winter eine Loipe präpariert werden. Und sobald es kalt genug ist, werde Maschinenschnee produziert.

Dass vorläufig kein Vereinstraining erlaubt ist, bedauert Charly Meßmer aus mehreren Gründen. Zum einen falle eine "sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die Kinder" weg, zum anderen sei es schade um das Leistungsniveau, das sich die rund 30 jungen Langläufer bisher erarbeitet hätten. Auch wenn die Älteren von ihnen einen Trainingsplan haben und ihr Pensum ohne Anleitung eigenständig absolvieren könnten.

Doch nicht nur die Aktiven, der ganze Verein sei von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen, berichtet der WSG-Vorsitzende: "Wir haben die Auswirkungen das ganze Jahr über gespürt." Dass Veranstaltungen wie das Seenachtsfest und der Schluchseelauf ausfielen, bedeutete neben dem Verzicht auf geselliges Beisammensein auch Einnahmeausfälle aus Bewirtung. "An die Existenz geht’s noch nicht", verweist Meßmer auf ein finanzielles "Polster", doch das Vereinsleben leide. Auch die Hauptversammlung im Dezember wurde abgesagt und ob die WSG im Januar den Schwarzwälder Läufertag der Langläufer "mit Hygienekonzept" ausrichten kann, sei noch lange nicht sicher. Man hoffe nun, dass die Maßnahmen wirken und auch, dass bald der erste Schnee fällt.

"Jetzt geht wieder gar nichts", sagt Tobias Bach mit hörbarem Bedauern. Das Vorstandsmitglied der Ski-Zunft Breitnau vermutet, dass das Verbot im Amateursport um mindestens zwei Wochen verlängert wird. Der Ausfall im November "ist ganz ungünstig für die Langläufer", weiß er. Im Juli seien "alle heiß" aufs Training gewesen, aber jetzt werde es schwierig, vor allem die Neulinge bei der Stange zu halten. "Ein paar Wettkämpfe brauchen wir" als Anreiz für die Kinder und die Eltern, betont Bach. Ihren traditionellen Albert-Thoma-Gedächtnislauf Anfang Dezember, ohnehin häufig mangels Schnee ausgefallen, hat die SZ Breitnau schon gestrichen, denn "ohne Training ist das nicht sinnvoll". Aktuell wäre der Teamsprint des SC Bubenbach am 15. Dezember Saisonauftakt der Langläufer. Die Älteren der knapp 40 SZ-Langläufer bekommen ihre Trainingspläne ohnehin von den Stützpunkten, erklärt Bach. Für die Jüngeren gab’s noch keine sportlichen "Hausaufgaben". "Stabi- oder Krafttraining könnte man per Video-Zoom machen", überlegt er, "aber das kann kein Dauerzustand sein". Noch sei die Lage nicht absehbar, doch wenn die Corona-bedingten Einschränkungen im Sport länger andauerten, dürften "ein paar schwache Jahrgänge" die Folge sein, befürchtet der Rucksacklaufgewinner. Und dann könnte es angesichts von höheren Auflagen und sinkenden Einnahmen, "wenn keine Bewirtung erlaubt ist", auch zunehmend schwierig werden, noch Ausrichter von Wettkämpfen zu finden. "Ein Verein lebt auch von Treffen und Kommunikation", sagt Tobias Bach.

Der Breitnauer hofft auf einen schneereichen Winter. Auch wenn er sich schon lebhaft vorstellen kann, dass dann wegen vieler Langlauf-Anfänger, die während der Corona-Pandemie die Natur für sich entdeckt haben, "am Thurner an schönen Wintertagen das Chaos ausbricht".