Blue-Veteran

John Mayall: "Ich liebe die Musik so sehr"

Bernd Peters

Von Bernd Peters

Fr, 22. März 2019 um 19:40 Uhr

Rock & Pop

John Mayall hat für sein Album "Nobody Told Me" prominente Gitarristen um sich versammelt – und will auch mit 85 Jahren vor allem eins: auf der Bühne stehen.

Unaufgeregt. Falls es ein Wort geben sollte, mit dem man den Grandseigneur des Brit-Blues John Mayall charakterisieren kann, dann ist es wohl dieses. Nichts scheint den 85-Jährigen aus der Bahn zu werfen. Er macht einfach weiter. Weil die Musik ihm Freude macht, wie er sagt. Das wiederum dürfte auch seine Fans freuen. Denn gerade hat Mayall mal wieder ein neues Album am Start. Mit der Platte ist er "hochzufrieden", wie er sagt.

"Nobody Told Me" ist eine Produktion, zu der er sich illustre Gäste eingeladen hat, darunter Rock-Größen wie Alex Lifeson (Rush), Todd Rundgren (Utopia) und Little Steven (The E-Street-Band). Namen, die nicht gerade für die reine Blues-Lehre stehen. Macht nichts, findet John Mayall. Bei ihm spielt auch eine Progressive-Rock-Legende wie Lifeson astreinen Blues. Und bittet vorher noch um Erlaubnis: "Sobald ich bekannt gab, dass ich eine Gitarren-Platte mit Gästen machen will, haben sie sich bei mir gemeldet", erzählt der Brite. "Auf die eine oder andere Weise sind doch alle irgendwie vom Blues beeinflusst, oder? Nicht nur Alex hat mit seinem Solo den Nagel auf den Kopf getroffen. Das haben alle, jeder in seinem eigenen Stil." Neben Alex Lifeson, Little Steven und Todd Rundgren haben Joe Bonamassa, Larry McGray und die Texanerin Carolyn Wonderland an "Nobody Told Me" mitgewirkt. Wonderland fand Mayall dabei so beeindruckend, dass er sie gleich für seine Band verpflichtete.

"Ich sage den Leuten prinzipiell nicht, was sie tun sollen", betont John Mayall. "Jeder soll seinen eigenen Zugang zu einem Song finden und spielen, was er als passend und richtig empfindet." Und so kommt es eben auch, dass beispielsweise Joe Bonamassa hier seine üblichen Pfade ein wenig verlässt und auffallend band- und songdienlich spielt, ohne sich zum Star der Aufnahme gerieren zu wollen.

Die Platte hat Mayall übrigens im legendären "Studio 606" der Foo Fighters in Northridge in Kalifornien aufgenommen hat. Abgemischt wurde die Scheibe dort auf dem Pult, das einst Fleetwood Mac für ihren Millionenerfolg "Rumours" nutzten, und als Ingenieur und Produzent wurde Eric Corne tätig, auf dessen Forty Below Label die Platte nun auch erschienen ist. "Eric ist unabhängig mit seiner eigenen Firma", betont Mayall. Das sei ganz in seinem Sinne, zumal Corne ein exzellenter Toningenieur sei. "Für mich eine sehr glückliche Situation!"

Nach den Aufnahmen im Frühjahr 2018 war Mayall allerdings wegen einer schweren Lungenentzündung für fast ein Jahr zur Untätigkeit verdammt. "Ich bin jetzt wieder im Geschäft, und es geht mir sehr gut", so der Musiker. "Normalerweise stehe ich an 100 Abenden im Jahr auf der Bühne, letztes Jahr war es gerade mal ein Drittel." Aber nun sei er ja wieder fit und unterwegs. "Ich spiele gern vor Publikum. Ich liebe die Musik einfach so sehr! Und solange ich die Kraft habe, wird es auch so bleiben!" "Eine Menge" Studioplatten habe er aufgenommen, so der Musiker, der schon lange nicht mehr mitzählt. "Wenn eine Platte benötigt wird, gehen wir ins Studio. Eine Woche. So läuft das immer bei mir. Ich kann ja weder Musik lesen noch schreiben, also sammle ich unterwegs auch keine Songs an, sondern die Sachen entstehen überwiegend im Zusammenhang mit den Aufnahmen."

Eigentlich, so hört man zwischen den Zeilen, ist die Musik auf der Bühne der wichtigere Teil der Arbeit für Mayall. "Jeder Abend ist anderes, das erhält die Musik aufregend und interessant." Im Repertoire der Band sind rund drei Dutzend alte und neuere Titel, von denen etwa ein Dutzend jeden Abend neu zusammengestellt wird. "Ich bin schon stolz darauf, dass die Leute kommen und anerkennen, was wir tun. Das ist ein Geschenk. Ich tue, was mit Freude bereitet. Nicht jeder kann das von sich sagen."

John Mayall: Nobody Told Me (Forty Below). Live: Di, 2. April, Straßburg, Laiterie, Uhr; Di, 9. April, Zürich, Volkshaus, 20 Uhr.