Handball

Jürgen Brandstaeters Pech: Das Kreuzband riss vor Barcelona

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 30. November 2020 um 10:58 Uhr

Handball Allgemein

Spiel meines Lebens: Der Handballtorwart Jürgen Brandstaeter zieht eine positive Bilanz seiner Laufbahn, in der es auch einen herben Rückschlag gab

. Sie sind auf Nachfrage meist präsent, die Erinnerungen an dieses eine Spiel, das die eigene Laufbahn in besonderem Maße beförderte, krönte oder auch unvollendet werden ließ. Es ist ein ganz persönlicher Blick auf Meilensteine und Momente von prägender Kraft. Regionale Sportgrößen schauen zurück auf ihre Siege, aber auch auf Niederlagen und Gänsehaut-Augenblicke. Heute tut dies der ehemalige Handball-Nationaltorwart Jürgen Brandstaeter.

Seine sportliche Vita ist reich an besonderen Momenten. Der ehemalige National- und Bundesligatorhüter, der heute als Jugendleiter beim HGW Hofweier wirkt, erlebte intensive Höhen und Tiefen. Der 58-Jährige wohnt in Neuried-Altenheim. Brandstaeter absolvierte als Torwart mehrere Länder- und Europapokalspiele, sowie über 400 Bundesligaspiele. Als Trainer feierte er in den letzten 20 Jahren Erfolg mit verschiedenen Teams im südbadischen Raum, wie TV Willstätt, TV Herbolzheim, TuS Helmlingen, TuS Altenheim und dem Heimatverein HTV Meißenheim. Zwei Jahre lang trainierte er den TV Möhlin in der Schweiz. Derzeit wirkt er als Jugendleiter beim HGW Hofweier.

» Was war für Sie das Spiel Ihres Lebens als aktiver Handballspieler?
"Ein besonderer Höhepunkt war natürlich mein allererstes Länderspiel. Das war am 20. Dezember 1991 bei einem Turnier in Belgien. Also kurz vor den Olympischen Spielen in Barcelona. Arno Ehret war damals Nationaltrainer. Wir haben gegen Polen gespielt: Halbzeitstand 7:4, Endstand 23:12 für Deutschland. Stefan Kretzschmar und Martin Heuberger waren noch dabei. Das war eher ein Perspektivteam. Ich war mit 31 Jahren der Älteste und habe ausgeholfen. Kurz vor Weihnachten haben viele etablierte Spieler keine Lust gehabt, zum Lehrgang zu kommen. Andy Thiel, der Hexer, damals Torwart Nummer eins war, hatte auch abgesagt. Ich hatte beim TV Niederwürzbach eine starke Saison gespielt, bekam dann einen Anruf vom Bundestrainer und bin natürlich gerne hingefahren. Ich habe durchgespielt und meinen Beitrag zum deutlichen Sieg beigetragen. Im Endspiel standen wir gegen Ungarn. Dort haben wir im Siebenmeterwerfen gewonnen. Die anderen Torhüter waren Jens Kürbis, Lutz Grosser. Ich habe das ganze Turnier über überragend gehalten und habe in allen Partien durchgespielt."

Welche Pleite schmerzt noch heute?
"Die Antwort ist klar: Das war meine schwere Verletzung im Januar 1992, als es auf Barcelona zuging. Mit dem VfL Hameln haben wir ein popeliges Vorbereitungsspiel bestritten. Bei einem Tempogegenstoß ist es passiert, ein gegnerischer Spieler ist gegen meinen Körper gesprungen, meine Füße sind stehen geblieben und das Knie wurde verdreht. Am Anfang sah es noch nach einer Knorpelverletzung aus, dann aber stellte sich aber heraus, dass es ein Kreuzbandriss war. Damit habe ich mich dann noch vier, fünf Jahre herumgeplagt. Ich konnte das Knie nicht mehr so richtig belasten. Normaler Bundesliga-Handball war dann schon noch möglich, aber auf internationaler Ebene war die Sache gelaufen. Ich bin dann als Folge dessen aus dem Kader der Nationalmannschaft rausgeflogen. Normalerweise hätte ich die Olympischen Spiele mitgemacht. Bitter war halt, dass die internationale Karriere, die erst mit 31 Jahren begann, wegen so eines unbedeutenden Vorbereitungsspiels abrupt beendet wurde. Allerdings haben die deutschen Handballer in Barcelona ja versagt (lacht), also war es im Endeffekt auch wieder Glück, dass ich da nicht dabei war. (Die westdeutsche Mannschaft ist als Fünfter der Vorrunden-Gruppe B frühzeitig ausgeschieden und wurde am Ende Zehnter; Anmerkung der Redaktion). Ein weiterer Tiefpunkt war auch, dass ich mit dem TuS Hofweier nach der Saison 1988/89 abgestiegen bin. Der Verein musste dann auch Konkurs anmelden."

Was waren Ihre weiteren ganz persönlichen Karriere-Highlights?
"Es gibt viele Erinnerungen an besondere Erlebnisse, die bei mir immer noch präsent sind. Ich habe mit dem Handball praktisch alles erlebt, was ich erleben wollte. Ich habe in Meißenheim angefangen und bin Meister geworden, ich bin über den Umweg Köndringen-Teningen in die Bundesliga zum TuS Hofweier gekommen. Ich habe neun Länderspiele bestreiten dürfen. Und alle neun gewonnen. Und alle neun durchgespielt. Im Endeffekt bin ich fast der erfolgreichste Nationalspieler, den es gibt (lacht). Es waren besondere Ereignisse dabei: Mit Hameln habe ich am Europapokal teilgenommen. Ich wollte unbedingt auch mal in Gummersbach spielen, dem damals besten Verein der Welt. Das habe ich am Ende auch noch geschafft, nachdem Heiner Brandt angerufen und gesagt hat, ich könnte ihm noch ein bisschen helfen. Ich war fast deutscher Meister und war Pokalsieger. Mit 37 Jahren habe ich dann allerdings aufgehört. Es ging mit dem Knie einfach nicht mehr. Auch die Berufsgenossenschaft hat mir dazu geraten. Meine Trainerlaufbahn hat zuletzt geendet mit dem TV Möhlin in der Schweiz, wo wir Meister in der Nationalliga B wurden. Ich habe viel erlebt in meiner Handballkarriere."