Wahlkreis 281 (Freiburg)

Julia Söhne (SPD) fordert Chancengleichheit für alle

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mo, 06. September 2021 um 07:00 Uhr

Freiburg

Julia Söhne ist die SPD-Kandidatin im Wahlkreis Freiburg bei der Bundestagswahl. Für die BZ hat sie die aus ihrer Sicht sieben größten Herausforderungen und mögliche Lösungen benannt.

Julia Söhne (27)

Sie hat Politik, Geschichte und Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität studiert und arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre der Uni Freiburg. Söhne ist Stadträtin und Fraktionsvorsitzende der SPD/Kulturliste im Freiburger Gemeinderat, verheiratet und seit jeher begeisterte Handballerin. Sie kandidiert bewusst auf einem nicht aussichtsreichen Platz 33 der SPD-Landesliste Baden-Württemberg und strebt im Wahlkreis 281 (Freiburg) das Direktmandat an.
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Sieben Dinge, die wir jetzt angehen müssen und meine Vorschläge dazu:

  • Die Klimakatastrophe ist die größte Gefahr, die Mensch und Natur bedroht. Mit der CDU als Bremsklotz in der Regierung haben wir nicht genug erreicht, in den letzten Jahrzehnten wurde auf allen Ebenen zu wenig getan. Auch in Baden-Württemberg.
  • Die Klimawende wird nur gelingen, wenn wir alle mitnehmen. Mit Verboten oder einer Preisschraube für normale Menschen geht das nicht. Ich würde die Hauptverursacher in die Pflicht nehmen und die CO2-Steuer für große Industrieunternehmen deutlich erhöhen.

  • Bezahlbarer Wohnraum ist die soziale Frage, die uns noch lange beschäftigen wird. Immer weniger Menschen können sich ihre Wohnung leisten. Ich bin froh, dass wir es hier geschafft haben, die Stadtbau nicht zu verkaufen. Die Privatisierung öffentlichen Wohnraums war ein Kardinalfehler, unter dem wir heute noch leiden.
  • Nur mit bundesweitem Mietenstopp wird man eine Atempause bekommen. Dazu braucht es ein massives Neubauprogramm. Und aus meiner kommunalen Erfahrung heraus weiß ich, dass Kommunen mehr Instrumente brauchen, um gegen Leerstand und Luxussanierungen vorzugehen.

  • Das Gesundheitssystem ist unterfinanziert. Es herrscht Profitdruck in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Das Thema Löhne und Arbeitsbedingungen wurde nicht genug beachtet und auch der Grundsatz nicht, dass Gesundheit keine Ware ist.
  • Privatisierung im Gesundheitswesen lehne ich ab. Das Fallpauschalensystem in Krankenhäusern erzeugt Profitdruck und gehört abgeschafft. Eine andere Finanzierung des Gesundheitssystems schaffen wir, wenn wir eine BürgerInnenversicherung einführen.

  • Chancenungerechtigkeit: Es regt mich auf, dass die Chancen im Leben noch immer abhängig sind vom Geldbeutel der Eltern. Der Armutsbericht hat das eindrucksvoll untermauert. Die Herkunft darf nicht mehr entscheidend sein, was aus einem wird.
  • Chancengleichheit ist möglich. Wir brauchen als erstes eine Kindergrundsicherung, damit Kinder aus ärmeren Familien kostenlos zur Schule fahren oder ein gesundes Mittagessen bekommen können. Wir brauchen hochwertige und gebührenfreie Bildung von der Kita bis zum Meisterbrief oder der Uni.

  • Die Schere zwischen Arm und Reich geht – obwohl wir ein reiches Land sind – immer weiter auseinander: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.
  • Der Mindestlohn muss auf 12 Euro pro Stunde heraufgesetzt werden. Wichtig ist auch eine Vermögenssteuer – ab einem Vermögen von 2 Millionen Euro 1 Prozent im Jahr – und eine Einkommensteuer, die die obersten 5 Prozent um 2 Prozentpunkte mehr belastet.

  • Politikverdrossenheit:Viele Menschen fühlen sich nicht mehr von der Politik gehört. Das liegt auch daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht. Wenn Leute über Jahrzehnte nicht das Gefühl haben, dass für sie etwas getan wird, ist das ein Problem.
  • Ansprechbar sein: Ich habe jetzt sieben Jahre Kommunalpolitik gemacht und will mir dieses Verständnis von Politik erhalten, gerade als direkt gewählte Abgeordnete. Ich will ansprechbar sein und Politik vor Ort sichtbar machen.

  • Nachhaltige Landwirtschaft: Viele Landwirte machen sich auf den Weg zu nachhaltiger Landwirtschaft, aber die Produkte lassen sich so nicht verkaufen. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht.
  • Rentabilität: Landwirtschaft muss weg von Flächenförderung und hin zu einer Förderung, die sich an Klimaschutz, Naturschutz, Tierwohl und Arbeitsbedingungen orientiert. Dann wird sie rentabel. Die, die auf Bio umstellen, müssen mehr gefördert werden als die anderen.

Julia Söhne im BZ-Fragenwirbel


So kam ich zur Politik

Vor etwa elf Jahren habe ich mich aufgeregt, dass ich mit meinen Freundinnen nach dem Feiern nicht mehr mit dem Bus ins Umland gekommen bin. Ich wollte was verändern. Welche Partei, wusste ich nicht so genau, aber es sollte in Richtung SPD, links oder grün gehen. Bei Bildungsstreik-Demos und Demos gegen Schulgebühren bin ich endgültig politisiert worden. Bei den Jusos habe ich mich wohlgefühlt, die waren ja ein bisschen linker als die SPD. Ich finde es schön, in einer Partei mit langer Geschichte zu sein, wie in einer Familie – auch wenn ich mich über keine Partei so oft und so sehr aufrege wie über meine.

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