Crowdfunding

Junge Frau will bei Müllheim pestizidfreie Blumen anbauen

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Mo, 04. November 2019 um 17:46 Uhr

Müllheim

Die meisten Blumen sind stark mit Pestiziden belastet. Malin Lüth gefällt das nicht. Sie will biologische Schnittblumen aus dem Markgräflerland anbieten – ganz im Sinne der Slow Flowers-Bewegung.

Malin Lüth ist eine junge Frau, die die Natur liebt und gerne frische Ideen in die Tat umsetzt. Sie ist gelernte Gärtnerin, arbeitet seit fünf Jahren bei einem Bio-Anbieter landwirtschaftlicher Produkte und hat neben dem Gemüse nun ihr Faible für bunte Blumen entdeckt. Daher hat sie sich in ihrer Ausbildung zur Landwirtschaftsmeisterin intensiv mit dem Thema Slow Flowers beschäftigt, einer Bewegung, die durch heimischen Anbau die Pestizidbelastung bei Blumen vermeidbar machen soll.

"80 Prozent der Blumen, die man bei Floristen kauft, werden aus Ländern importiert, in denen sowohl schlechte Arbeits-, als auch schlechte Umweltbedingungen herrschen, und wo Pestizide Verwendung finden, die in Deutschland schon längst verboten sind. Der bunte Blumenstrauß, den man sich ins Zimmer stellt, bringt daher schnell eine Pestizidbelastung mit, die 120 mal höher ist, als bei Gemüse", sagt Malin Lüth. Berufskrankheiten bei Floristen, wie etwa Hautprobleme, seien das Resultat.

Auf 6000 Quadratmeter baut Lüth Blumen an

Die Slow Flowers-Bewegung kommt aus den USA, wobei man jeder Blume zubilligt, im eigenen Rhythmus zu wachsen, und zwar dann, wenn sie Saison hat und unter natürlichen Bedingungen, also außerhalb eines Treibhauses. An regionale Floristen möchte Malin Lüth ab dem Frühjahr ihre Slow Flowers aus dem Markgräflerland liefern. "Wildling Blumen" nennt sich ihr kleiner Betrieb, der momentan noch mitten im Aufbau steckt. Die 28-Jährige hat hierfür ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück oberhalb der Müllheimer Klinik gepachtet, um das sie möglichst noch einen Zaun ziehen will, der die bunte Blumenpracht vor Wildschweinen, Rehen und sonstigen Blumenliebhabern schützen soll.

Momentan setzt sie Frühlingsblüher in ausgefallenen Farben in die Erde, die im Frühjahr bei regionalen Floristen zu haben sein sollen. Einen Direktverkauf an Mitbürger will sie aus arbeitswirtschaftlichen Gründen zwar im Falle großer Festivitäten, wie etwa Hochzeiten, ermöglichen, jedoch keinen Blumenladen im eigentlichen Sinn führen. Floristen aus Freiburg, Staufen und Müllheim sowie regionale Einzelhändler mit Bio-Sortiment haben bereits Interesse an ihren biologischen Schnittblumen bekundet, sagt die Jungunternehmerin.

Ein weiteres Standbein ihres jungen Betriebs sollen essbare Blüten für die Gastronomie sein, außerdem Freundinnen-Abende, bei denen man erst in einem Workshop lernt, wie man professionelle Kränze bindet, bevor man bei gutem Essen zusammensitzt. Das Ganze wird – falls erwünscht – in stimmungsvollen Bildern festgehalten. Für die kalte Jahreszeit setzt sie auf Trockenblumen.

Auf dem Blumenfeld wird rein biologisch gearbeitet

Die Naturliebhaberin freut sich darauf, die meiste Zeit ihrer Arbeit auf dem Feld zu verbringen. Bei Sonnenaufgang möchte sie die Blumen ernten und mit Schubkarre und Jät-Werkzeug auf dem Feld aktiv sein. Am Nachmittag, wenn es heißer ist, wird sie sich in ihre Räumlichkeiten zurückziehen, um Gebinde anzufertigen oder den notwendigen administrativen Teil der Arbeit zu erledigen. Hierfür hat sie in Niederweiler die Räumlichkeiten einer ehemaligen Metzgerei gemietet, wo bei schlechtem Wetter auch die Freundinnen-Abende stattfinden können.

Natürlich arbeitet sie auf ihrem Blumenfeld rein biologisch, das heißt, mit biologischem Schneckenkorn, das weder Mensch noch Nützlingen schadet. "Blumen sollen Lebendigkeit versprühen, aber kein Gift", ist Lüths Motto. Unterstützung gegen unerwünschte Schädlinge könnte sie sich außerdem von Hühnern vorstellen, die ihr vielleicht auf ihrem Blumenfeld irgendwann einmal Gesellschaft leisten werden. Momentan setzt sie auf den Aufbau von gutem Humus, denn wenn der Boden stimmt, wird die Blumenpracht umso schöner.

"Das Wort Wildling sprach mich sofort an, es drückt etwas Natürliches, Schönes aus" Malin Lüth
Bleibt noch die Frage nach der Namensgebung: Warum Wildling Blumen? "Auf meinem Acker steht ein uralter, bildprägender Birnbaum, doch ergab meine Recherche nach der Sorte kein Ergebnis. Ich fand jedoch heraus, dass es sogenannte Wildlinge gibt, also wild wachsende Individuen aus der Stammform, die zu Zuchtzwecken wieder in die Kulturform eingekreuzt werden. Das Wort Wildling sprach mich sofort an, es drückt etwas Natürliches, Schönes aus."

Das Rüstzeug für ihren jungen Betrieb bringt Malin Lüth durch die Ausbildung zur Gärtnerin und jetzt zur Landwirtschaftsmeisterin bereits mit. Um richtig wirtschaften zu können, will Lüth noch eine Vollzeitstelle anbieten. Was derzeit noch etwas fehlt, ist Geld, um richtig durchstarten zu können. Daher hat die Jungunternehmerin am 1. Oktober ein Crowdfunding gestartet, in der Hoffnung, viele Unterstützer im Markgräflerland zu finden, die nachher von ihren regional, saisonalen Bio-Blumen profitieren werden.
Mehr Infos zu Wildling Blumen und zum Crowdfunding gibt es auf www.startnext.com/wildlingblumen